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Städte und Regionen 9 Min. Lesezeit

Šibenik: Kroatiens älteste Königsstadt, in der man öfter nach oben schauen sollte

Die weiße Kathedrale des heiligen Jakob in Šibenik in Kroatien mit Rosettenfenster und Steinkuppel vor blauem Himmel, links Steinhäuser und eine Treppe der Altstadt

Wer durch Šibeniks Altstadt läuft, verbringt erstaunlich viel Zeit mit erhobenem Kopf. An den Treppen liegt das sicher nicht, obwohl es davon reichlich gibt. Es liegt daran, dass man ständig nach oben schaut. Ein Wappen über einer Tür, ein steinerner Löwe unter einem Fenster, ein Balkon, bei dem vor 500 Jahren offenbar jemand fand, dass schlicht keine Option ist. Unten ein Gewirr aus schmalen Gassen, Treppen und kleinen Durchgängen. Oben erzählt jedes Haus seine eigene Geschichte.

Viele nehmen Šibenik nur auf dem Weg zu den Krka-Wasserfällen mit. Das ist ungefähr so, als würde man in einer Buchhandlung nur nach einem Bleistift fragen.

Die Stadt, die keine Römer brauchte

Fast jede Stadt an der dalmatinischen Küste hat eine antike Vorgeschichte. Split hat Diokletian, Zadar das Forum, Trogir die Griechen. Šibenik hat: sich selbst. Šibenik gilt als älteste ursprünglich kroatische Stadt an der Adria. Erstmals erwähnt wird sie 1066 in einer Urkunde von König Petar Krešimir IV. Deshalb heißt sie bis heute gern Krešimirov grad, die Stadt Krešimirs.

Man merkt das am Grundriss. Hier hat niemand mit dem Lineal geplant. Die Altstadt zieht sich den Hang hinauf, wie es das Gelände gerade erlaubte, und wer sich hier nicht mindestens einmal verläuft, hat etwas falsch gemacht.

Die Kathedrale des heiligen Jakob: Komplett aus Stein und voller Gesichter

Die Kathedrale sv. Jakov ist der Grund, warum Šibenik seit 2000 auf der UNESCO-Welterbeliste steht. Gebaut wurde von 1431 bis 1535, also über hundert Jahre.

Das Besondere: Sie besteht vollständig aus Stein. Auch Gewölbe und Kuppel wurden aus passgenau zusammengesetzten Steinplatten konstruiert. Ein riesiges Steinpuzzle, das seit fast 500 Jahren hält.

Das eigentliche Highlight wartet aber außen. An den Apsiden der Kathedrale schaut ein Fries aus 71 steinernen Köpfen auf die Gasse herunter. Männer, Frauen und Kinder, jeder mit einem anderen Gesicht: einer grimmig, einer müde, einer, als hätte ihm gerade jemand die Rechnung für den Kathedralenbau gezeigt. Häufig heißt es, Juraj Dalmatinac habe hier Menschen aus dem damaligen Šibenik verewigt. Um die Köpfe ranken sich bis heute Geschichten. Eine davon behauptet, besonders knauserige Bürger seien wenig schmeichelhaft dargestellt worden. Belegt ist das allerdings nicht.

Juraj Dalmatinac selbst steht übrigens direkt vor seiner Kathedrale, als Statue von Ivan Meštrović, Kroatiens bekanntestem Bildhauer. Er schaut auf sein Werk und sieht dabei recht zufrieden aus. Zu Recht.

Die Kathedrale von innen

Natürlich wollte ich die Kathedrale auch von innen sehen. Bei unserem Besuch im September 2026 kostete der Eintritt 10 Euro pro Person, die Besuchszeit war auf zehn Minuten begrenzt.

Für uns zwei wären das 20 Euro für zehn Minuten gewesen. Wir haben kurz überlegt und uns dann dagegen entschieden. Zehn Minuten waren uns für diesen Preis einfach zu knapp bemessen. Also gab es stattdessen Kava, einen Kaffee, auf einer Terrasse mit Blick auf die Kathedrale.

Die steinernen Köpfe schauen von dort genauso unbeeindruckt zurück. Einer von ihnen sah, wenn ich ehrlich bin, ziemlich verständnisvoll aus.

Preise und Besuchsregelungen können sich ändern.

Als Šibenik plötzlich unter Strom stand

Diese Geschichte erzählt kaum jemand, dabei ist sie eine der besten der Stadt. Am 28. August 1895 gingen in Šibenik die elektrischen Straßenlaternen an. Der Strom kam aus dem Wasserkraftwerk Krka am Skradinski buk, rund elf Kilometer entfernt. Er wurde mit Wechselstrom erzeugt und über eine eigene Leitung in die Stadt übertragen.

Damit hatte Šibenik nicht einfach nur elektrisches Licht. Hier funktionierte bereits ein komplettes System aus Stromerzeugung, Übertragung, Verteilung und öffentlicher Beleuchtung. Und das nur zwei Tage, nachdem das berühmte Kraftwerk an den Niagarafällen seinen Betrieb aufgenommen hatte.

Die Anlage arbeitete mit Wechselstrom, jener Technik, die untrennbar mit Nikola Tesla verbunden ist. Tesla wurde übrigens in Smiljan geboren, im heutigen Kroatien.

Wer heute abends durch die beleuchteten Gassen geht, läuft also durch eine Stadt, die bei der Elektrifizierung erstaunlich früh dran war. Zwischen den alten Steinhäusern steckte damals eben mehr Zukunft, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Vier Festungen und ein Blick, der sich lohnt

Šibenik hat gleich vier Festungen. Das sagt einiges darüber, wie viele Leute diesen Hafen über die Jahrhunderte gern für sich beansprucht hätten. Drei liegen oberhalb beziehungsweise direkt an der Altstadt, die vierte bewacht den Zugang vom Meer. Zusammen erzählen sie ziemlich gut, warum Šibenik über Jahrhunderte so schwer einzunehmen war.

Festung des heiligen Michael: Direkt über den Dächern

Die Festung sv. Mihovil ist die älteste der vier und liegt direkt über der Altstadt. Von hier aus entwickelte sich das mittelalterliche Šibenik; auch die Stadtmauern waren mit der Festung verbunden. Wer aus den Gassen hinaufsteigt, merkt ziemlich schnell, warum dieser Platz strategisch so günstig war: Unter einem liegen die Dächer der Altstadt, dahinter die Kathedralenkuppel, die Bucht und die Inseln des Šibeniker Archipels.

Seit ihrer Restaurierung 2014 hat die Festung noch eine zweite Karriere. Im Inneren befindet sich eine Freiluftbühne mit gut 1.000 Plätzen, auf der im Sommer Konzerte stattfinden. Meer, alte Mauern und Abendhimmel gehören dabei praktisch zur Bühnenausstattung.

Der Weg hinauf ist eine kleine Prüfung. Spätestens auf halber Strecke versteht man, warum hier früher niemand freiwillig angegriffen hat. Oben wartet aber ein Ausblick, der die Waden ziemlich schnell wieder versöhnt.

Festung des heiligen Johannes: In 58 Tagen gebaut

Noch höher liegt die Festung sv. Ivan. Ihre Geschichte beginnt mit bemerkenswertem Zeitdruck: 1646 wurde sie innerhalb von nur 58 Tagen errichtet, weil ein Angriff des Osmanischen Reiches unmittelbar bevorstand. Bezahlt und gebaut wurde sie zu einem großen Teil von den Einwohnern Šibeniks selbst. Schon im folgenden Jahr musste sie sich bei einer großen Belagerung bewähren.

Mit rund 120 Metern über dem Meer ist sv. Ivan die höchstgelegene der drei Festungen über der Stadt. Nach langer Vernachlässigung wurde sie umfassend restauriert und 2022 wieder für Besucher geöffnet. Heute kann man durch die Anlage laufen und weit über Šibenik, die Küste und die Inselwelt schauen.

Barone: Verteidigung mit Aussicht

Fast zeitgleich mit sv. Ivan entstand 1646 die Festung Barone. Benannt ist sie nach Christoph Martin von Degenfeld, der als Befehlshaber an der Verteidigung Šibeniks beteiligt war. Gemeinsam mit sv. Ivan sollte sie die höher gelegenen Positionen über der Stadt sichern, von denen aus feindliche Artillerie gefährlich werden konnte.

Heute ist Barone wahrscheinlich die entspannteste der drei Stadtfestungen. Es gibt ein Café, im Sommer Kino und Jazzkonzerte, dazu einen weiten Blick über die Dächer bis hinaus aufs Meer. Wer zum Sonnenuntergang hier oben sitzt, merkt schnell, warum aus einem ehemaligen Verteidigungsbau inzwischen ein ziemlich angenehmer Ort geworden ist.

Festung St. Nikolaus vor Šibenik in Kroatien aus der Luft

Festung des heiligen Nikolaus: Welterbe draußen im Kanal

Die vierte Festung liegt nicht über der Stadt, sondern draußen am Eingang des St.-Antonius-Kanals. Sv. Nikola wurde im 16. Jahrhundert von Venedig errichtet, um die Zufahrt nach Šibenik vom Meer aus zu schützen.

Seit 2017 gehört die Festung zusammen mit fünf weiteren venezianischen Verteidigungsanlagen in Kroatien, Italien und Montenegro zum UNESCO-Welterbe „Venetian Works of Defence between the 16th and 17th Centuries“. Damit besitzt Šibenik tatsächlich zwei UNESCO-Welterbestätten: die Kathedrale des heiligen Jakob mitten in der Altstadt und sv. Nikola draußen am Zugang zur Bucht.

Für eine vergleichsweise kleine Stadt ist das schon eine bemerkenswerte Dichte an Welterbe.

Šibeniks Festungen ohne müde Beine

Wer die drei Festungen sehen möchte, aber die Wege bergauf lieber etwas entspannter angeht, kann Šibenik auch bei einer zweistündigen Tuk-Tuk-Tour entdecken. Auf der Route liegen die Festungen St. Michael, Barone und St. Johannes sowie die Kathedrale des Heiligen Jakobus. Die Eintrittspreise für die drei Festungen sind bereits enthalten.

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Was man beim Schlendern leicht übersieht

  • Den mittelalterlichen Klostergarten von sv. Lovre: ein kleiner, ruhiger Garten mitten in der Altstadt, angelegt nach mittelalterlichem Vorbild mit Kräutern und Heilpflanzen. Ein guter Rückzugsort, wenn die Gassen voller werden. Hier darf man sich für ein paar Minuten Ruhe Zeit lassen.
  • Die Fassaden über Augenhöhe: Wappen, Inschriften, steinerne Fratzen. Manche Häuser haben oben mehr Schmuck als unten die Türen.
  • Die Treppen: Šibenik ist eine Stadt der Stufen. Wer sich treiben lässt, landet in Ecken, in denen nur Wäsche, Katzen und Nachbarn zu sehen sind.
  • Die Durchgänge zwischen den Häusern: Manche Gassen werden plötzlich zu überwölbten Passagen, führen unter Häusern hindurch oder enden in kleinen Höfen. Šibenik ist voller solcher Stellen, an denen man kurz nicht mehr weiß, ob man noch auf einer Straße oder schon halb in einem Haus steht.

Šibenik und die Krka: Ein Tag reicht nicht

Wer Šibenik besucht, hat einen der schönsten Nationalparks Kroatiens praktisch vor der Haustür. Bis zum Eingang Lozovac sind es nur rund 15 Kilometer, nach Skradin etwa 20. Mit dem Auto ist man je nach Eingang und Verkehr in ungefähr 20 bis 30 Minuten dort. Trotzdem wäre es schade, Šibenik nur als Zwischenstopp auf dem Weg zu den Wasserfällen einzuplanen.

Denn beide Orte verdienen Zeit. Im Nationalpark Krka führen Holzstege an Wasserfällen, kleinen Seen und dicht bewachsenen Flussufern vorbei. Der berühmte Skradinski buk ist für viele das Hauptziel, doch mit dem Roški slap, der Klosterinsel Visovac und den weiteren Abschnitten des Flusses gibt es weit mehr zu entdecken. Wer sich nicht auf den kürzesten Rundweg beschränken möchte, kann hier gut einen ganzen Tag verbringen.

Für den Besuch bieten sich vor allem zwei Eingänge an: Lozovac ist mit dem Auto bequem erreichbar und hat einen kostenlosen Parkplatz. Von Skradin fahren in der Saison Ausflugsboote zum Skradinski buk. Schon die Fahrt auf dem Fluss gehört für viele zum Erlebnis.

Die angenehmste Lösung sind deshalb zwei Tage: einer für die Krka, einer für Šibenik. Nach dem Besuch der Wasserfälle bleibt dann genügend Zeit, durch die Altstadt zu streifen, die Kathedrale zu bewundern oder zu einer der Festungen hinaufzusteigen. Und wer über Nacht bleibt, kann den Tag ausklingen lassen und Šibenik noch einmal entspannter und ruhiger erleben.

Im Simply Croatia Artikel Nationalpark Krka: Wasserfälle, Eingänge und Tipps für den Besuch stehen alle wichtigen Informationen zu den verschiedenen Eingängen, Sehenswürdigkeiten, Eintrittspreisen und zur Planung des Besuchs.

Šibenik macht es einem leicht

Šibenik erschlägt einen nicht mit großen Plätzen oder monumentalen Achsen. Die Stadt braucht das auch nicht, sie belohnt Neugier. Wer den Kopf hebt, entdeckt Gesichter in Stein und Wappen über Türen, wer eine Treppe mehr nimmt, landet plötzlich vor einer Festung oder in einer Gasse, die vorher gar nicht da zu sein schien. Dazu kommt eine Geschichte, deren kroatische Wurzeln weiter zurückreichen als in vielen anderen Städten an der Adriaküste.

Man verlässt Šibenik mit müden Waden, vollem Fotospeicher und dem leisen Verdacht, trotzdem die Hälfte übersehen zu haben. Ein guter Grund, wiederzukommen.

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Bildquelle: Silberfuchs & sebastiangoessl via Pixabay

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