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Städte und Regionen 20 Min. Lesezeit

Dalmatinisches Hinterland: Ausflug von Split nach Klis, Sinj und zur Cetina-Quelle

Dalmatinisches Hinterland bei Split: Die Festung Klis auf einem felsigen Bergrücken

Früh am Morgen kracht es über Sinj. Von der alten Festung über der Stadt feuern die Mačkule, kleine traditionelle Böller, kurz darauf zieht die Stadtkapelle durch die Straßen. Einen Wecker braucht an diesem Tag in Sinj niemand. Es ist Anfang August, und heute ist Alka.

Die meisten Urlauber in Split bekommen davon nichts mit, obwohl Sinj nur rund 35 Kilometer entfernt liegt. Hinter den Bergen über der Küste beginnt die Dalmatinska zagora, das dalmatinische Hinterland: Karst, weite Felder, kleine Dörfer und Traditionen, die mit Strandurlaub wenig zu tun haben.

Dieser Artikel führt von Split zur Festung Klis, in eine Tropfsteinhöhle am Fuß des Mosor, nach Sinj und weiter bis zur Quelle der Cetina. Für mich ist das kein Ausflugsziel wie jedes andere. In Sinj bin ich geboren und aufgewachsen.

Dalmatinisches Hinterland: zwei Ausflugsrouten ab Split

Alles an einem Tag zu sehen, ist möglich, aber sportlich. Deshalb gibt es zwei Varianten.

Die kurze Tour führt von Split zur Festung Klis, weiter über Dugopolje zur Höhle Vranjača und anschließend nach Sinj. Bis Klis sind es rund 12 Kilometer, bis Sinj auf direktem Weg etwa 35 Kilometer. Mit den Zwischenstopps wird daraus ein abwechslungsreicher Tagesausflug, bei dem auch Zeit für einen Kaffee und ein Mittagessen bleibt.

Die lange Tour führt von Sinj weiter nach Vrlika und zur Quelle der Cetina. Von Sinj sind es rund 37 Kilometer bis Vrlika. Rund zehn Kilometer nördlich von Vrlika liegt das Dorf Cetina mit den berühmten Quellen des Flusses. Wer auch die Quelle besuchen möchte, sollte früh aufbrechen und für den gesamten Ausflug einen langen Tag einplanen. Je nachdem, wie ausgiebig die einzelnen Stopps ausfallen, kann es sinnvoll sein, auf dem Weg etwas auszulassen.

Wer sich für die Sehenswürdigkeiten und Geschichten von Sinj Zeit nehmen möchte, verteilt die lange Variante besser auf zwei Tage.

Für beide Varianten ist ein Auto am praktischsten. Sinj und auch die Höhle Vranjača sind zwar mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, die gesamte Strecke mit mehreren Zwischenstopps lässt sich damit aber nur schwer an einem Tag bewältigen.

Festung Klis: der Felsen über Split

Schon auf der Straße aus Split heraus sieht man sie: Mauern, die sich auf einem steilen Felsgrat festkrallen, rund zwölf Kilometer von Split entfernt. Die Festung Klis sitzt genau auf dem Pass zwischen den Bergen Kozjak und Mosor. Wer diesen Punkt kontrollierte, kontrollierte den Weg von der Küste ins Hinterland.

Entsprechend lang ist ihre Geschichte. Bereits im 9. Jahrhundert spielte Klis eine wichtige Rolle für die frühen kroatischen Herrscher. Fürst Trpimir, Begründer der Trpimirović-Dynastie, hatte sein Machtzentrum im Raum Klis und Solin. Auch der byzantinische Kaiser Konstantin VII. Porphyrogennetos erwähnte Klis im 10. Jahrhundert. Berühmt wurde die Festung aber durch den Kampf gegen die Osmanen. Rund zweieinhalb Jahrzehnte hielten die Verteidiger unter Petar Kružić und die Uskoken von Klis stand, bis die Festung 1537 schließlich fiel. 1648 eroberte ein venezianisches Heer sie zurück.

Heute kommen viele aus einem ganz anderen Grund: Klis war Drehort für die Stadt Meereen in Game of Thrones. Wer die Serie kennt, erkennt die Kulissen wieder. Wer sie nicht kennt, sieht einfach eine der eindrucksvollsten Festungen Dalmatiens, mit Blick auf Split, die Küste und die Inseln.

Gut zu wissen: Der Boden in der Festung ist uneben, mit Steinstufen und Schotterwegen. Feste Schuhe sind hier wichtiger als die Sonnenbrille. Der Eintritt kostet aktuell 12 Euro für Erwachsene und 4 Euro für Kinder bis 15 Jahre (Stand: Oktober 2026). Im Ticket enthalten sind auch das Interpretationszentrum am Mejdan-Platz, der Etno-Agro-Park Stella Croatica und das Olivenmuseum. Aktuelle Preise und Öffnungszeiten stehen auf der offiziellen Website der Festung Klis.

Dugopolje: eine Tropfsteinhöhle und ein Kaffee mit Sahne

Hinter Klis wird die Landschaft karger, und an der Autobahnausfahrt Dugopolje beginnt ein Gewerbegebiet. Auf den ersten Blick kein Grund zum Anhalten. Auf den zweiten schon.

Špilja Vranjača: die Höhle der Familie Punda

Zehn Autominuten von Dugopolje entfernt, im Dorf Kotlenice am Nordfuß des Mosor, liegt die Tropfsteinhöhle Vranjača. Sie befindet sich auf dem Grundstück der Familie Punda, die sich seit Generationen um die Höhle kümmert.

Die erste Halle kannten die Leute im Dorf schon lange. Die zweite entdeckte Stipe Punda, dem das Grundstück gehörte, im Jahr 1903. Erzählt wird, er sei einer verletzten Taube durch einen schmalen Durchgang gefolgt und habe dahinter eine Halle voller Tropfsteine gefunden. 1929 wurde die Höhle für Besucher geöffnet, seit 1963 steht sie als geomorphologisches Naturdenkmal unter Schutz. Um die Führungen kümmert sich bis heute die Familie Punda.

Die Eingangshalle ist rund 65 Meter lang und ohne Tropfsteine. Hinter dem engen Durchgang öffnet sich die zweite Halle, etwa 100 Meter lang und 60 Meter breit, voller Stalaktiten, Stalagmiten und Sintervorhänge. Die einzelnen Bereiche haben eigene Namen, darunter Kapelle, Türkenfriedhof und Tanzsaal. Die Besucherwege sind insgesamt rund 365 Meter lang, die Temperatur liegt das ganze Jahr bei etwa 15 °C.

Wichtig zu wissen: Der Abstieg vom Eingang in die erste Halle führt über Stufen nach unten, gesichert mit Geländern und Seilen. Ich habe ihn als ziemlich steil in Erinnerung. Ob sich daran inzwischen etwas geändert hat, weiß ich nicht. Feste Schuhe sind auf jeden Fall Pflicht, und für Menschen, die nicht gut zu Fuß sind, ist die Höhle eher nicht geeignet.

  • Eintritt: Erwachsene 10 Euro, Kinder 5 Euro, ermäßigt 8 Euro (unter anderem für Studierende, Senioren und Menschen mit Behinderung). Nur Barzahlung. (Stand: Oktober 2026)
  • Geöffnet: April und Oktober 10 bis 17 Uhr, Mai und September 9 bis 18 Uhr, Juni bis August 9 bis 19 Uhr. Letzter Einlass eine Stunde vor Schluss. Von November bis März nur nach vorheriger Anmeldung unter +385 98 749 000.
  • Dauer: etwa eine Stunde
  • Anfahrt: von Kotlenice über den Weiler Punde, die letzten rund 300 Meter auf einem Schotterweg

Aktuelle Preise und Öffnungszeiten stehen auf der Website des Tourismusverbands Dugopolje.

Skrivena Dalmacija: das Hinterland zum Anfassen

Mitten im Gewerbegebiet von Dugopolje würde man es nicht vermuten: das Besucherzentrum Skrivena Dalmacija, das „verborgene Dalmatien“. Der Name passt, denn von außen ahnt man nicht, was drinnen wartet. Mit einer VR-Brille geht es virtuell über den Mosor und hinunter in die Höhle Vranjača. In einer nachgebauten Höhle lernt man die Unterwelt kennen, an einem Bergmodell darf man den Mosor anfassen, und an einer Duftstation riecht man das Hinterland.

Kinder sind hier schnell beschäftigt, Erwachsene meistens auch. Wer danach in die echte Vranjača hinuntersteigt, erkennt manches wieder. Nur die Stufen waren in der virtuellen Version deutlich bequemer.

Das Zentrum ist regulär montags bis samstags von 9 bis 16 Uhr geöffnet, sonntags bleibt es geschlossen. Aktuelle Informationen gibt es auf der Website des Besucherzentrums.

Outlets und eine Kava sa šlagom

Wer schon einmal hier ist, kann noch einen ganz praktischen Stopp einlegen. Bei meinem letzten Besuch im Mai 2026 lagen im kleinen Einkaufszentrum Top Outlet Park ein Adidas- und ein Puma-Outlet nahe beieinander. Und im ersten Stock gibt es im Park Caffe & Food eine der besten Kava sa šlagom, die ich kenne: Kaffee mit einer ordentlichen Haube Schlagsahne.

Eine Tropfsteinhöhle, neue Turnschuhe und ein Kaffee mit Sahne: Für ein Gewerbegebiet ist das eine ziemlich gute Bilanz.

Sinj: Alka, Gospa Sinjska und eine Stadt, die im August Kopf steht

Sinj liegt am Rand des weiten Sinjsko polje, des Sinjer Feldes, durch das die Cetina fließt. Die Stadt wird im 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Über Jahrhunderte war sie zwischen verschiedenen Herrschern umkämpft, besonders zwischen Venedig und dem Osmanischen Reich. Zwei Dinge prägen Sinj bis heute: die Alka und die Gospa Sinjska, die als wundertätig verehrte Muttergottes von Sinj.

Die Alka: ein Ritterturnier seit 1715

Sinjska Alka in Sinj: Ein Reiter galoppiert mit seiner Lanze über die Rennbahn zwischen den Zuschauern

Im August 1715 belagerte ein osmanisches Heer unter Mehmed-paša Čelić die Stadt Sinj. Nach überlieferten Angaben standen rund 60.000 Angreifern nur etwa 700 Verteidiger gegenüber. Die Stadt hielt stand. Am 14. August wurde der letzte große Angriff abgewehrt, in der Nacht zum 15. August zog sich das osmanische Heer zurück. Die Menschen in Sinj schrieben die Rettung dem Beistand der Gospa Sinjska zu. Zur Erinnerung an den Sieg entstand die Alka, ein Reiterturnier, dessen Tradition bis heute fortgeführt wird.

Das Prinzip klingt einfach. Die Alkari, die Reiter, galoppieren in voller Tracht die Rennbahn hinunter und versuchen, mit der Lanze einen Ring zu treffen, der an einem Seil über der Bahn hängt. Dieser Ring heißt Alka, das Wort stammt aus dem Türkischen und bedeutet Ring. Er ist in Felder unterteilt, für die es unterschiedlich viele Punkte gibt. Ein Treffer „u sridu“, also mitten ins Zentrum, bringt drei Punkte und wird mit Blasmusik und einem Böllerschuss gefeiert. Wer nach drei Ritten die meisten Punkte hat, wird Slavodobitnik, Sieger der Alka. Der Überlieferung nach stammt die Alka selbst vom Sattel des erbeuteten Pferdes des Paschas, als Teil des Steigbügels. Daran erinnert auch das Pferd, das zwei junge Männer bei der Zeremonie am Zügel führen: Es steht für das Ersatzpferd des Paschas. Belegt ist die Geschichte mit dem Steigbügel allerdings nicht.

Antreten dürfen nur Männer, die die strengen Teilnahmebedingungen der Ritterlichen Alka-Gesellschaft erfüllen. Dazu gehört insbesondere eine enge familiäre Verbindung zu Sinj und der Cetinska krajina. Seit 2010 steht die Alka auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Sie findet gewöhnlich am ersten Sonntag im August statt. Fallen die beiden vorhergehenden Wettkämpfe Bara und Čoja noch in den Juli, wird die Alka am darauffolgenden Sonntag ausgetragen.

Bara und Čoja: zwei Wettkämpfe vor der großen Alka

Vor der Alka gibt es zwei weitere Wettkämpfe: die Bara am Freitag und die Čoja am Samstag. Sie gelten zwar als Generalproben, haben aber eigene Sieger und werden nach denselben Wettkampfregeln wie die Alka ausgetragen. Nur die aufwendigen Festuniformen und ein Teil des Zeremoniells fehlen.

Auch die Namen haben eine Geschichte. Bara bezeichnet das Weideland, das der Sieger der Alka im 19. Jahrhundert nutzen durfte. Čoja bedeutet Tuch, denn früher bekamen die Sieger ein Stück Stoff. Daran erinnern bis heute die Siegerzeichen: Der Gewinner der Bara erhält eine bronzene Alka und trägt beim Umzug durch Sinj ein zwei Meter langes grünes Tuch an seiner Lanze. Der Gewinner der Čoja bekommt eine silberne Alka und trägt 311 Zentimeter rotes Tuch. Die ungewöhnlich genaue Länge stammt von einem alten Maß: Ursprünglich waren es vier Ellen, wie bereits im Alka-Statut von 1833 festgelegt.

Die Kinder-Alkas von Sinj: Ritterturniere für die Kleinsten

Die Begeisterung für die Sinjska Alka beginnt schon bei den Kindern. In vielen Straßen und Ortsteilen von Sinj werden eigene Kinder-Alkas veranstaltet. Die kleinen Alkari eifern ihren großen Vorbildern nach, allerdings ohne Pferde: Sie laufen die Strecke zu Fuß und versuchen, mit ihrer Lanze den Ring zu treffen.

Allein in Brnaze gibt es zwei dieser Traditionen. Die Brnaška dječja alka gehört zum Brnaški dernek, einem mehrtägigen Fest mit Wettkämpfen, Musik und Folklore. Daneben gibt es die Vučkovića dječja alka, eine der bekanntesten Kinder-Alkas der Gegend. Offiziell gibt es sie seit 1955, gegründet in Erinnerung an Vorfahren der Familie Vučković, die sich 1715 in der Schlacht um Sinj hervorgetan haben sollen. Nach den Erzählungen älterer Bewohner reicht sie aber noch weiter zurück.

Bei der Vučkovića dječja alka dürfen Jungen bis zehn Jahre antreten, die den Nachnamen Vučković tragen. Da viele Teilnehmer denselben Vor- und Nachnamen haben, bekommt jeder kleine Alkar einen eigenen Spitznamen, der ihn oft sein ganzes Leben begleitet. Auch hier gehören traditionelle Uniformen, Bara, Čoja, ein feierlicher Umzug und die Ehrung des Siegers zum Programm. Im Umzug reitet der Fahnenträger zu Pferd. Das Pferd des Paschas, das bei der großen Alka mitgeführt wird, spielt hier ein Esel. Der Pascha hätte sich das vermutlich anders vorgestellt. Am Straßenrand stehen längst nicht mehr nur die Nachbarn.

Meine Mutter war eine geborene Vučković, und das Ritterturnier findet nicht weit vom Haus meines Opas statt. Mein Onkel hat schon oft bei den Vorbereitungen geholfen, Essen organisiert und den ganzen Tag am Grill gestanden. Denn auch hier wird ausgiebig gefeiert, gesungen, gelacht und gemeinsam gegessen. Ohne Leute wie ihn gäbe es die kleine Alka nicht. Ohne Grill vermutlich auch nicht.

Mein August in Sinj

Die Alka war für uns Kinder die schönste Zeit des Jahres. Schon Wochen vorher wurde trainiert. Auf der Straße, die in die Stadt führt, wurde Sand aufgeschüttet, an den Seiten entstanden die Tribünen. Wir sind fast jeden Tag hingegangen und haben beim Training zugeschaut. Spannender ging es kaum.

An allen drei Tagen haben uns morgens die Mačkule geweckt. Wenn es draußen krachte, wusste man: Heute ist ein besonderer Tag. Die ganze Stadt war voll, überall gab es etwas zu essen, überall wurde gesungen. Für uns Kinder standen die Stolići bereit, kleine Tische mit Spielzeug, an denen wir uns kaum sattsehen konnten. Und zu Hause drehte sich vor dem Haus ein Lamm am Spieß.

Einmal hat ein Nachbar von uns die Alka gewonnen. Beim Sieger wird groß gefeiert, und sofort haben alle in der Straße angefangen zu kochen. Die Töpfe und Platten wurden zu seinem Haus getragen, damit genug Essen da war für alle, die mitfeiern wollten.

Gemein fand ich schon als kleines Mädchen, dass nur Männer Alkar werden dürfen. Daran hat sich bis heute nichts geändert, weder an der Regel noch an meiner Meinung. Trotzdem sind diese drei Tage für mich etwas ganz Besonderes geblieben. Wenn ich im August nicht in Sinj bin, verfolge ich online, wer gewinnt.

Gospa Sinjska und das Fest Velika Gospa

Das Gnadenbild der Gospa Sinjska brachten Franziskaner 1687 auf der Flucht vor den Osmanen aus Rama im heutigen Bosnien und Herzegowina nach Sinj. Nach der Belagerung von 1715 wurde es 1716 gekrönt, 1721 kam es in die neue Kirche, in der es bis heute hängt. Schon die Bronzetüren des Bildhauers Stipe Sikirica lohnen einen Blick. Sie erzählen die Geschichte der Stadt.

Der 15. August, Velika Gospa, also Mariä Himmelfahrt, ist der größte Feiertag in Sinj und zugleich der Tag der Stadt. Dann ist Sinj so voll wie sonst nur zur Alka. Bei der Prozession 2025 waren nach Schätzungen der Polizei rund 50.000 Menschen dabei, über den gesamten Tag wurden etwa 100.000 Gläubige erwartet. Ich habe die Prozession oft gesehen, und sie ist jedes Mal ein Erlebnis. Viele gehen mit und beten, andere stehen am Straßenrand und beten von dort aus mit. Überall wird gesungen, und die Stimmung ist feierlich und fröhlich zugleich.

In der Kirche erinnere ich mich besonders an einen kleinen Altar auf der linken Seite. Dahinter führt ein schmaler Durchgang entlang, fast wie ein kleiner Tunnel. Früher gingen dort viele Menschen hindurch, die eine besondere Bitte an die Muttergottes hatten. Manche legten den Weg sogar auf den Knien zurück. Auch ich bin als Kind oft gemeinsam mit meiner Mutter dort hindurchgegangen.

Zu Fuß von Solin nach Sinj: der Pilgerweg

Viele Pilger kommen zu Fuß. Der Pilgerweg Staza Gospi Sinjskoj ist insgesamt 148 Kilometer lang und verbindet Solin und Sinj über Livno und Tomislavgrad mit Rama in Bosnien und Herzegowina. Der Abschnitt von Solin bei Split bis nach Sinj ist rund 30 Kilometer lang. Besonders in den Nächten vor Velika Gospa machen sich Tausende Menschen auf den Weg zur Muttergottes von Sinj.

Wie lange man dafür braucht, hängt vom Tempo und den Pausen ab. Bei einer organisierten Pilgerwanderung im Jahr 2020 starteten die Teilnehmer um fünf Uhr morgens in Solin. Ihre Ankunft in Sinj war gegen 15 Uhr vorgesehen.

Meine Tante ist diesen Weg früher jedes Jahr gegangen, von Solin bis nach Sinj, zu Velika Gospa.

Sinj außerhalb des August

Wer nicht zur Alka oder zu Velika Gospa kommt, muss auf die Geschichten und Traditionen von Sinj trotzdem nicht verzichten. Besonders das Museum der Sinjska Alka macht das berühmte Ritterturnier auch außerhalb des Augusts erlebbar.

  • Museum der Sinjska Alka: Das Museum wurde 2015 zum 300. Jubiläum der Alka eröffnet und ist in den Kvartiri untergebracht, einer ehemaligen Kavalleriekaserne aus dem Jahr 1760. Zu sehen sind historische Uniformen, Waffen und Ausrüstung der Alkari, ein lebensgroß nachgestellter Alka-Umzug und interaktive Stationen.
  • Kamičak: Der Name bedeutet „Steinchen“. Für eine sternförmige Festung mitten in der Stadt ist das ziemlich bescheiden. Sie stammt von 1712 und liegt gegenüber der Kirche. Ihr heutiges Aussehen mit Mauern und Pinien bekam sie 1890. Auf dem Turm befindet sich eine historische Uhr, die drei Minuten vor der vollen Stunde läutet und zur vollen Stunde die Zeit schlägt. Die reich verzierte Bronzeglocke stammt aus dem Jahr 1828.
  • Der Markt: Mein Lieblingsort in Sinj. Hier verkaufen noch immer viele ältere Frauen Obst, Gemüse und andere Erzeugnisse aus ihrem eigenen Garten.
  • Der Garten hinter der Kirche: Ein ruhiger, schön angelegter Ort, der vielen Besuchern entgeht.

Sinjski arambašići

Wer in Sinj isst, sollte nach Sinjski arambašići fragen. Sie sehen auf den ersten Blick aus wie Sarma, also gefüllte Sauerkrautblätter, aber für die Menschen in Sinj sind sie etwas ganz Eigenes. Das traditionelle Festtagsgericht steht in Kroatien auf der Liste des geschützten immateriellen Kulturerbes. Mehr über typische Gerichte steht im Artikel über die kroatische Küche.

Wie meine Mutter sie gemacht hat, die das Rezept von ihrer Mutter aus Sinj kannte, steht in meinem E-Book „Aus Mamas Rezeptbuch: Weihnachten in Dalmatien“, zusammen mit sieben weiteren Familienrezepten für die Festtage.

Weiter Richtung Dinara: die Cetina-Quelle und Sveti Spas

Wer die lange Tour fährt, folgt ab Sinj der Cetina flussaufwärts, vorbei an Feldern, Dörfern und dem Peruća-See bis an den Fuß der Dinara. Auf diesem Gebirge liegt mit dem 1.831 Meter hohen Sinjal der höchste Gipfel Kroatiens.

Die Quelle der Cetina

Die Cetina ist der längste Fluss Dalmatiens. Sie entspringt beim Dorf Cetina, rund zehn Kilometer nördlich von Vrlika, und mündet nach etwa 105 Kilometern bei Omiš ins Meer. Die bekannteste ihrer Quellen heißt Glavaš oder Veliko vrilo, die große Quelle. Der Quellsee leuchtet tiefblau und türkis, das Wasser hat das ganze Jahr etwa 8 °C. Wie tief die Quelle tatsächlich ist, ist nicht abschließend geklärt. Taucher haben sie bis in rund 100 Meter Tiefe erforscht. Seit 1972 stehen die Quellen der Cetina als hydrologisches Naturdenkmal unter Schutz.

Cetina-Quelle Glavaš im dalmatinischen Hinterland: Das tiefblaue Auge aus der Vogelperspektive

Die berühmten Fotos, auf denen der Quellsee wie ein riesiges blaues Auge aussieht, zeigen ihn meist aus der Luft. Vom Ufer aus wirkt die Quelle kleiner und unscheinbarer, als viele erwarten. Schön ist sie trotzdem, gerade wegen der Farbe und der Stille ringsum.

Wichtig: An der Quelle ist Baden verboten. Seit September 2022 gilt das Verbot für die Quelle Glavaš und 400 Meter flussabwärts, abgestimmt mit der staatlichen Wasserbehörde Hrvatske vode. Der Grund ist einfach: Die Cetina ist eine wichtige Trinkwasserquelle für die Menschen der Region. Auf manchen Fotos im Internet sieht das anders aus, aber das ändert nichts an der Regel.

Als ich ein Kind war, sind wir im Sommer oft in der Cetina und im Peruća-See schwimmen gegangen. Bei der Hitze im Hinterland braucht man eine Abkühlung, und der Fluss lag einfach am nächsten. An der Quelle selbst ist das heute aus gutem Grund tabu.

Sveti Spas: eine Kirche aus dem 9. Jahrhundert

Nur wenige hundert Meter von der Quelle entfernt steht die Ruine der Kirche Sveti Spas, des heiligen Erlösers. Sie entstand im letzten Viertel des 9. Jahrhunderts und gilt als eines der bedeutendsten vorromanischen Bauwerke Kroatiens. Um die Kirche herum liegt ein großer mittelalterlicher Friedhof, auf dem Archäologen mehr als 1.100 Gräber entdeckt haben. Besonders bemerkenswert ist der Glockenturm: Er gilt als ältester erhaltener mittelalterlicher Kirchturm Kroatiens.

Vrlika und der Tanz ohne Musik

Auf dem Weg zur Quelle liegt Vrlika. Aus dieser Gegend stammt das Vrličko kolo, eine regionale Form des Nijemo kolo, des stummen Reigentanzes des dalmatinischen Hinterlands. Getanzt wird ohne musikalische Begleitung, der Rhythmus entsteht allein durch die Bewegungen und Schritte der Tänzer. Seit 2011 steht das Nijemo kolo auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Zu sehen ist es heute vor allem bei Festen, Kirchtagen und Folklorevorführungen.

Praktische Tipps für den Ausflug ins Hinterland

  • Anfahrt: Von Split nach Sinj sind es rund 35 Kilometer, mit dem Auto etwa 35 Minuten. Von Sinj bis Vrlika kommen weitere 37 Kilometer dazu. Die Cetina-Quelle liegt beim Dorf Cetina nördlich von Vrlika. Busse fahren von Split nach Sinj, für die gesamte Tour mit ihren einzelnen Ausflugszielen ist ein Auto jedoch die praktischste Wahl. Wer ohnehin mit dem eigenen Auto aus Deutschland kommt, fährt an der Ausfahrt Dugopolje direkt an Klis vorbei. Tipps für die ganze Strecke gibt es im Artikel: Mit dem Auto nach Kroatien.
  • Bargeld mitnehmen: In der Höhle Vranjača wird nur bar bezahlt, und auch in den kleinen Konobas, den traditionellen Gasthäusern im Hinterland, ist Bargeld nie verkehrt.
  • Feste Schuhe: In Klis und in der Höhle sind sie wichtiger als alles andere.
  • Alka und Velika Gospa: Wer zur Alka Anfang August oder zu Velika Gospa am 15. August kommt, erlebt Sinj in seiner schönsten und vollsten Form. Parkplätze sind dann knapp, und die Stadt ist voller Menschen. Eintrittskarten für die Alka werden über das Viteško alkarsko društvo, die Ritterliche Alka-Gesellschaft, angeboten. Informationen zu Terminen, Kartenverkauf und Programm stehen auf alka.hr und visitsinj.hr.
  • Sommerhitze: Im dalmatinischen Hinterland kann es im Sommer sehr heiß werden. Für Besichtigungen im Freien eignen sich die Morgenstunden. Die Höhle Vranjača ist mit ihren etwa 15 °C eine willkommene Abkühlung.
  • Mehr zu Split: Wer den Ausflug mit ein paar Tagen in der Stadt verbinden möchte, findet im Artikel über Split Tipps vom Diokletianpalast bis zur Riva.

Klis und die Höhle Vranjača mit Guide ab Split

Zwei Höhepunkte des dalmatinischen Hinterlands an einem Tag: Diese private Tour führt von Split zur Festung Klis, zum Ethno-Agro-Park Stella Croatica und in die Tropfsteinhöhle Vranjača. Abholung, Transfer und ein englischsprachiger Guide sind inklusive.

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Abends wieder am Meer

Wer nach so einem Tag zurück in Split ist, hat eine Festung über der Küste gesehen, ist in den Bauch eines Berges hinabgestiegen und hat in Sinj erlebt, wie viel Geschichte in einer kleinen Stadt stecken kann. Vielleicht auch die tiefblaue Quelle eines Flusses, der gut 100 Kilometer weiter bei Omiš ins Meer mündet.

Am Strand war man an diesem Tag nicht. Dalmatinischer als so mancher Strandtag war er trotzdem. Und wer einmal im August in Sinj war, wenn morgens die Mačkule krachen, wird verstehen, warum ich bis heute jedes Jahr nachschaue, wer gewonnen hat.

Häufige Fragen zum dalmatinischen Hinterland

Wie weit ist Sinj von Split entfernt?
Rund 35 Kilometer. Mit dem Auto dauert die Fahrt etwa 35 Minuten.

Wann findet die Sinjska Alka statt?
Meist am ersten Sonntag im August. Würden Bara am Freitag und Čoja am Samstag davor noch in den Juli fallen, findet die Alka eine Woche später statt, 2026 zum Beispiel am 9. August. Den genauen Termin veröffentlicht die Ritterliche Alka-Gesellschaft auf alka.hr.

Darf man an der Cetina-Quelle baden?
Nein. An der Quelle Glavaš und auf den folgenden 400 Metern flussabwärts ist Baden seit 2022 verboten. Die Cetina ist eine wichtige Trinkwasserquelle für die Region.

Wie viel kostet der Eintritt in die Höhle Vranjača?
Erwachsene zahlen 10 Euro, Kinder 5 Euro und Berechtigte mit Ermäßigung 8 Euro (Stand: Oktober 2026). Bezahlt wird ausschließlich bar. Von November bis März ist ein Besuch nur nach vorheriger Anmeldung möglich.

Lohnt sich die Festung Klis auch ohne Game of Thrones?
Ja. Die Festung hat eine lange Geschichte als Bollwerk gegen die Osmanen und bietet einen weiten Blick auf Split, die Küste und die Inseln.

Kann man das Hinterland ohne Auto besuchen?
Sinj ist von Split aus gut mit dem Bus erreichbar. Wer mehrere Sehenswürdigkeiten im Hinterland an einem Tag besuchen möchte, ist mit dem Auto oder einer organisierten Tour flexibler.

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Bildquellen: Sinjska Alka – PJL / Wikimedia Commons · CC BY 2.5, Klis – KatarzynaTyl / Pixabay, Cetina-Quelle – Laurynas Žižys / Unsplash

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