Split: Diokletianpalast, Riva und besondere Orte der Stadt

Wer in Split ankommt, merkt es schon beim Aussteigen aus dem Flieger.
Dieses besondere Gefühl, wenn die Wärme dich empfängt und die Luft nach Meer riecht.

Split heißt dich nicht einfach willkommen. Split zieht dich hinein.

Wenn du später die Marmontova hinunterläufst, die zentrale Fußgängerstraße, fällt dein Blick fast automatisch nach vorne.

Diese uralte Straße liegt vor dir, hell und offen und ganz am Ende öffnet sie sich.

Dort liegt das Meer.

Nur noch ein paar Schritte bis zur Riva, der berühmten Uferpromenade.

Die Riva

Wenn du dort ankommst, liegt das Meer direkt vor dir.
Und für einen kurzen Moment macht dein Herz einen kleinen Sprung.

Palmen spenden Schatten, Cafés reihen sich nebeneinander. Stühle werden gerückt, Gläser klirren, irgendwo läuft leise Musik. Hier sitzt man nicht, um etwas zu „tun“. Man sitzt hier, weil das Leben schön ist und man in diesem Gefühl verweilen möchte.

Hier wartet man auf niemanden und trifft trotzdem immer jemanden. Man schaut auf das Wasser, auf die Fähren in der Ferne, auf Menschen, die vorbeigehen und irgendwann wird dir klar: Die Riva ist kein Programmpunkt, den es abzuarbeiten gilt, sie ist auch keine Sehenswürdigkeit.

Sie ist der Herzschlag der Stadt.

Der Diokletianpalast

Menschen im Peristil des Diokletianpalastes in Split, Kroatien, die auf den Stufen sitzen und sich unterhalten.

Von der Riva sind es nur wenige Schritte bis in den Diokletianpalast. Was von außen wie eine historische Anlage wirkt, ist im Inneren ganz selbstverständlich Wohnraum und Alltag in einem.

Der römische Kaiser Diokletian ließ den Palast um 300 n. Chr. als Ruhesitz errichten. Heute gehört er zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Zwischen antiken Mauern hängen Wäscheleinen. In schmalen Gängen öffnen kleine Läden ihre Türen. Kellner balancieren Tabletts über Steinplatten, auf denen seit Jahrhunderten Menschen laufen. Geschichte wird hier nicht erklärt oder präsentiert. Sie ist einfach Teil des Lebens.

Am Peristil, dem zentralen Platz des Palastes, stehen Männer in römischen Gewändern und schauen so grimmig, wie es sich für Soldaten des Imperiums gehört. Sie posieren für Fotos, während ringsum der Alltag weiterläuft.

Für einen Moment glaubt man fast, Fanfaren zu hören, die die Ankunft des Kaisers ankündigen. Stattdessen fällt irgendwo eine Kaffeetasse zu Boden und ein paar Schritte weiter wird ein Eis serviert.

Der Palast ist kein Monument.
Er ist Mittelpunkt der Stadt: ein Museum voller Leben.

Marjan

Westlich der Altstadt erhebt sich der Marjan, ein bewaldeter Hügel, der wie ein schützender Wall hinter der Stadt aufragt. Von der Riva aus sieht man ihn sofort. So grün, dass man den Schatten, den er spendet, förmlich spüren kann.

Über Treppen und gut begehbare Wege gelangt man zu mehreren Aussichtspunkten. Von dort blickt man auf die Dächer der Altstadt, auf die Riva und weiter hinaus auf die Inseln Brač und Šolta. Am höchsten Punkt steht der Telegrin-Turm, der 2023 renoviert und wiedereröffnet wurde. Er gehört zu den höchsten frei zugänglichen Punkten der Stadt.

Zwischen den Pinien liegt der Duft von Harz in der Luft, die Aloe-Vera-Pflanzen wirken wie uralte Schildkröten, die viel zu erzählen hätten, wenn sie könnten. Familien gehen spazieren, Paare sitzen auf Bänken, Jugendliche blicken auf das Meer. Der Marjan ist kein unberührtes Naturgebiet, sondern ein Stadtwald.

An manchen Stellen stößt man auf kleine Kapellen und in den Fels gehauene Unterkünfte, früher genutzt von Einsiedlern und Mönchen.

Wenn die Sonne langsam untergeht und unten in der Stadt die ersten Lichter angehen, liegt Split zu deinen Füßen: Vor dir die Adria, in der sich das letzte Licht spiegelt und über dir der Himmel, in dem die ersten Sterne sichtbar werden.

Bačvice

Menschen am Strand von Bačvice in Split, Kroatien, die im flachen Wasser stehen und baden.

Östlich des Fährhafens, hinter Bahnhof und Busbahnhof, liegt Bačvice, einer der bekanntesten Strände Splits. Kein Kies, kein Fels, stattdessen feiner Sand und flach abfallendes Wasser – ungewöhnlich für die dalmatinische Küste.

Schon früh am Morgen kommen die ersten Badegäste. Manche ziehen ruhig ihre Bahnen, andere bleiben einfach im Wasser stehen und reden, als hätten sie die Zeit vergessen. Am Rand sitzen die Rentner mit ihrem Kaffee und beobachten das Geschehen. Bačvice ist ein Ort der Begegnung.

Und es dauert nicht lange, bis im seichten Wasser ein Spiel beginnt: Picigin. Ein kleiner Ball fliegt von Hand zu Hand, die Spieler springen, drehen sich, werfen sich ins Wasser. Mit einer Ernsthaftigkeit, die schon vermuten lässt, dass es hier um mehr geht als nur ein Spiel.

Ziel ist es, den Ball in der Luft zu halten. Gespielt wird bei Sonne, Wind und sogar im Winter, wenn die jährliche Weltmeisterschaft stattfindet, die seit 2005 in Split ausgetragen wird.

Picigin gehört hier zum Alltag, schon die Kleinsten versuchen sich im seichten Wasser daran. Seit 2008 gilt das Spiel als immaterielles Kulturgut Kroatiens.

Spaziergänger bleiben oft stehen, kommentieren, feuern an und mischen sich ein. Und irgendwann, wenn du eine Weile zugesehen hast, merkst auch du, wie das Picigin-Fieber dich packt. 

Split im Sommer

Im Sommer wird aus Split endgültig das, was es immer war: das Herz Dalmatiens.

Boote kommen und gehen. Fähren verbinden die Inseln mit dem Festland. Auf dem Markt wird lauter verhandelt, die Cafés sind durchgehend besetzt, Musik dringt aus offenen Fenstern. Die Stadt steht nicht still, sie vibriert in der sommerlichen Hitze.

Split ist nicht nur Kulisse für Urlaubstage. Es ist Verkehrsknotenpunkt, Treffpunkt, Ausgangspunkt.
Wer nach Brač, Hvar oder Vis will, landet hier. Ein guter Ausgangspunkt, wenn du die schönsten Orte in Kroatien entdecken willst.
Für vieles, was über den Alltag hinausgeht, kommt man auch aus dem Hinterland hierher. Alles läuft durch und mit Split.

Die Plätze sind voller Stimmen, oft erfüllt vom Gesang einer Klapa, einer mehrstimmigen dalmatinischen A-cappella-Tradition, die 2012 als immaterielles Kulturerbe der UNESCO anerkannt wurde.
Beim Zuhören vergisst man schnell die Abfahrtszeit seiner Fähre.

Es ist kein stiller, träger Sommer in Split, sondern ein lebendiger.
Einer, der sich höchstens zur Mittagszeit eine kleine Pause gönnt.

Wenn Split zusammenkommt

Auf der Riva steht eine Bühne. Lichter und Menschen bis zum Wasser. Als Jelena Rozga, eine der bekanntesten Sängerinnen Kroatiens, hier gesungen hat, waren es über siebzigtausend. Es war ein Geschenk für ihre Heimatstadt, zum offiziellen Dan grada, dem „Tag der Stadt“.

Irgendwann verschwimmen im Laufe des Abends die Grenzen zwischen Bühne und Publikum.
Die ganze Riva singt.

So ist es auch an anderen Abenden, nur kleiner. Menschen kommen zusammen, stimmen Lieder an und dann hallen plötzlich Weihnachtslieder durch die Gassen der Altstadt.

Das macht diese Stadt aus.

Und manchmal gibt es diese Tage, die für immer in Erinnerung bleiben.

Als Oliver Dragojević, eine der größten Stimmen Dalmatiens, verabschiedet wurde, war die Riva voll. Zehntausende Menschen, dicht an dicht.

Sie haben seine Lieder gesungen. Laut. Gemeinsam. Immer wieder.

Fackeln haben gebrannt, es wurde langsam dunkel, aber der Gesang hat nicht aufgehört.

Als das Boot abgelegt hat, ist es nicht alleine gefahren. Hunderte von Booten haben ihn hinaus Richtung Vela Luka, seiner letzten Ruhestätte, begleitet.

Und an Land wurde weitergesungen.

Split

„Nima Splita do Splita“, sagen die Einheimischen.
Und meinen damit: Split ist mit nichts zu vergleichen.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum du am Flughafen schon wieder in deinen Kalender schaust und überlegst, wann du wiederkommen kannst.

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Bildquellen: Envato Elements, Unsplash.