Schönheit ist kein Ranking
„Die schönsten Orte in Kroatien“, das klingt nach Liste, nach Platz 1 bis 10, nach Wettbewerb. Aber Schönheit funktioniert hier anders. Sie liegt im Salz auf der Haut nach einem Bad, im hellen Stein einer Altstadtgasse, im Wind, der durch Pinien fährt und ihren Duft mit sich trägt.
Dieser Überblick ist kein Ranking, sondern eine kuratierte Auswahl vom Norden bis in den Süden, vom Meer bis ins Hinterland. Manche Orte sind bekannt, andere wollen noch entdeckt werden, aber alle erzählen auf ihre Weise etwas über Kroatien.
Der Weg führt uns dabei durch verschiedene Regionen, Städte und Landschaften Kroatiens:
- Rovinj und Motovun in Istrien
- Krk und Opatija in der Kvarner Bucht
- Zadar und Pag in Norddalmatien
- Split, Trogir, Brač und Hvar in Mitteldalmatien
- Dubrovnik und Korčula in Süddalmatien
- Zagreb und die Region Baranja im Landesinneren
- Die Nationalparks Plitvicer Seen und Krka
Beginnen wir im Nordwesten des Landes: in Istrien.
Istrien – Stein, Hügel und Licht
Rovinj
Rovinj gehört zu den bekanntesten Orten Istriens und ist einer dieser Orte, die sofort als Bild im Kopf bleiben.
Die Altstadt erhebt sich auf einer kleinen Halbinsel, dicht gebaute Häuser in warmen Pastelltönen, darüber die Kirche der heiligen Euphemia. Unten schaukeln Boote im Hafen, Cafés ziehen sich bis ans Wasser.
In einigen der schmalen Gassen öffnen kleine Galerien und Ateliers ihre Türen. Rovinj gilt seit Jahrzehnten als Künstlerstadt.
Rovinj ist lebendig, besonders im Sommer. Es kann voll werden und doch hat die Stadt eine Ruhe im Grundton. Am deutlichsten spürt man das früh am Morgen, wenn das Licht flach über die Fassaden fällt und die Gassen noch leer sind.
Motovun
Motovun liegt nicht am Meer, sondern auf einem Hügel über dem Mirna-Tal. Schon von weitem sieht man die Stadt auf der Kuppe sitzen, umgeben von ihrer mittelalterlichen Mauer.
Oben angekommen öffnet sich der Blick weit über Wälder und Felder hinweg.
Hier geht es weniger um Strandleben, mehr um Landschaft und das Gefühl von Weite.
Im Herbst beginnt rund um Motovun die Trüffelsaison. In den Wäldern sind dann Trüffeljäger mit ihren Hunden unterwegs. Die Region zählt zu den bekanntesten Trüffelgebieten Europas.
Motovun steht für das Istrien abseits der Küste. Für Hügel, Wälder und kleine ursprüngliche Orte fern vom Meer.
Weiter östlich beginnt eine andere Landschaft: die Kvarner Bucht.
Kvarner Bucht – Küste, Inseln und Eleganz
Krk
Krk zählt zu den größten Inseln der Adria und ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden. Dadurch ist sie leicht erreichbar, was man im Sommer durchaus merkt.
Die Insel bietet eine Mischung aus felsigen Buchten, kleinen Orten wie Baška oder Vrbnik und offenen, steinigen Landschaften im Süden.
In Vrbnik wachsen die Reben für den weißen Žlahtina-Wein, eine Rebsorte, die eng mit der Insel Krk verbunden ist.
Krk wirkt weitläufig und zugänglich. Eine Insel, die man Stück für Stück entdecken kann und die dabei abwechslungsreich bleibt.
Opatija
Opatija blickt auf eine lange Geschichte als Kur- und Badeort zurück. Bereits im 19. Jahrhundert zog es Gäste aus Wien und Budapest hierher.
Die Promenade Lungomare führt mehrere Kilometer an der Küste entlang, gesäumt von Villen aus der Habsburger Zeit.
Am Wasser steht die Statue des „Mädchens mit der Möwe“, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt.
Opatija wirkt geordnet, fast elegant, weniger rau als andere Küstenorte. Die Stadt ist eher ein Ort für Spaziergänge entlang der Promenade, als für klassisches Strandleben.
Die Architektur erinnert bis heute daran, dass Opatija einst einer der mondänen Badeorte der österreichisch-ungarischen Monarchie war.

Von der eleganten Küste der Kvarner Bucht führt der Weg weiter Richtung Süden nach Norddalmatien.
Norddalmatien – Meer, Geschichte und Kontraste
Zadar
Zadar verbindet Geschichte mit Gegenwart, oft nur wenige Schritte voneinander entfernt. Römische Grundmauern, das Forum, mittelalterliche Kirchen liegen dicht beieinander innerhalb der Altstadt auf einer schmalen Halbinsel.
Direkt an der Uferpromenade liegt die Meeresorgel, eine Installation des kroatischen Architekten Nikola Bašić. Die breiten Steinstufen am Wasser sind so gebaut, dass die Bewegung der Wellen Töne erzeugt.
Setzt man sich eine Weile dorthin, wird schnell klar, dass diese Musik keinem festen Rhythmus folgt. Mal steigt ein heller Ton aus dem Stein auf, dann wieder ein tieferer, manchmal nur ein kurzer Klang.
Gerade weil diese Klänge allein vom Meer gesteuert werden, gehört die Meeresorgel zu den außergewöhnlichsten Orten der Adriaküste.
Nur wenige Meter weiter liegt die Installation „Gruß an die Sonne“. Eine große, runde Glasfläche im Boden, die tagsüber Sonnenlicht speichert und nach Einbruch der Dunkelheit in wechselnden Farben zu leuchten beginnt.
Steht man dort, während die Sonne hinter den Inseln verschwindet, verändert sich die Stimmung ganz langsam. Der Tag geht, aber sein Licht bleibt noch einen Moment.
Pag
Pag zeigt sich von einer ganz anderen Seite. Große Teile der Insel sind karg, steinig, fast vegetationsarm, besonders im Süden. Der starke Wind, vor allem die Bura, ein kalter Fallwind aus dem Hinterland, trägt salzhaltige Meeresluft über die Landschaft. Viele Pflanzen wachsen unter diesen Bedingungen nur niedrig, aber widerstandsfähig.
Genau diese Kräuter und Gräser fressen die Schafe der Insel. Ihre Milch bildet die Grundlage für den Paški sir, einen würzigen Schafskäse, der zu den bekanntesten Spezialitäten Kroatiens gehört. Sein Charakter wird durch die besondere Umgebung aus Wind, Stein und Meer geformt.
Salz spielt auf Pag ohnehin eine wichtige Rolle. In der Stadt Pag liegen große Salinen, in denen seit Jahrhunderten Meersalz gewonnen wird. Im angeschlossenen Geschäft kann man verschiedene Salzsorten probieren und kaufen.
Die Landschaft dahinter prägt die ganze Insel.
Zwischen den hellen Steinflächen öffnen sich immer wieder kleine Buchten mit intensiv blauem Wasser. Pag wirkt rauer als viele andere Inseln der Adria: karg, steinig und vom Wind geformt.
Folgt man der Küste weiter nach Süden, verändert sich die Landschaft erneut. Mitteldalmatien gehört zu den Regionen, in denen Städte, Inseln und Geschichte besonders dicht beieinander liegen.
Mitteldalmatien – Stein, Meer und Geschichte
Split
Das Herz von Split schlägt innerhalb der Mauern eines römischen Palastes.
Der römische Kaiser Diokletian ließ hier im 4. Jahrhundert n. Chr. seinen Ruhesitz errichten. Heute leben, arbeiten und wohnen Menschen innerhalb dieser Mauern.
Cafés stehen dort, wo einst Säulenhallen waren, Wäsche hängt zwischen antiken Steinwänden und in den alten Gängen bieten Kunsthandwerker ihre Waren an.
Der Diokletianpalast gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und wirkt trotzdem nicht wie ein Museum.
Split ist lebendig, manchmal laut, oft voller Energie und zugleich eine der schönsten Städte der kroatischen Küste.

Trogir
Trogir liegt nur wenige Kilometer westlich von Split. Die Altstadt befindet sich auf einer kleinen Insel zwischen Festland und der Insel Čiovo, umgeben von Wasser.
Romanische Kirchen, enge Gassen, steinerne Innenhöfe. Die historische Bausubstanz ist außergewöhnlich gut erhalten. Heute gehört die gesamte Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Schon im Jahr 1271 ist hier eine Apotheke belegt, eine der frühesten im heutigen Kroatien. Ein kleines Detail, das zeigt, wie lange in dieser Stadt bereits Handel, Handwerk und städtisches Leben zusammenkommen.
Wer durch die Gassen von Trogir geht, entdeckt viele der schönsten Details erst auf den zweiten Blick. Über Türen, unter Bögen oder hoch oben an den Fassaden kann man immer wieder neue Spuren der Vergangenheit entdecken.
Hier lohnt sich auch ein Blick nach oben.
Brač
Brač ist vor allem für einen Strand bekannt: Zlatni Rat bei Bol. Die schmale Landzunge aus hellem Kies ragt ins Meer und verändert je nach Wind- und Strömungsverhältnissen leicht ihre Form.
Doch Brač ist mehr als dieses Motiv. Ein Teil davon liegt im hellen Kalkstein der Insel, der über Jahrhunderte in zahlreichen Bauwerken in Dalmatien und darüber hinaus verwendet wurde und als einer der bekanntesten Natursteine Kroatiens gilt.
Zwischen Steinbrüchen, Trockenmauern und weiten Olivenhainen zeigt sich eine Insel, die stark von Landschaft und Handwerk geprägt ist.
Auf der höchsten Stelle der Insel, der Vidova Gora, verweilt man gerne eine Weile. Weit unten liegt Zlatni Rat im Meer, dahinter öffnet sich der Blick über die Adria und zu den umliegenden Inseln. Spätestens hier wird klar, warum viele Brač zu den eindrucksvollsten Inseln der Adria zählen.
Hvar
Hvar ist bekannt für Sonne, Lavendelfelder und ein lebendiges Nachtleben, besonders in der Stadt Hvar selbst. Im Sommer kann es hier voll werden, vor allem in Hafennähe.
Doch die Insel hat mehrere Gesichter. Abseits der bekannten Promenade liegen stille Buchten, im Inselinneren kleine Dörfer und Weinberge. Die Landschaft ist trocken, mediterran, von Steinmauern durchzogen. In der Ebene von Stari Grad verlaufen diese Mauern teilweise noch immer entlang der Felder, die bereits vor über zweitausend Jahren von griechischen Siedlern angelegt wurden. Eine Landschaft, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
Abseits des Hafens verändert die Insel ihren Rhythmus spürbar. Fährt man ein Stück über die Insel, hat man schnell das Gefühl, dass Hvar hier zu seinem ursprünglichen Tempo zurückgefunden hat, oder es vielleicht nie ganz verlassen hat.
Ganz im Süden der kroatischen Küste verändert sich die Atmosphäre noch einmal spürbar. Die Landschaft wird dramatischer und die Geschichte ist an vielen Orten deutlich präsenter. Hier beginnt Süddalmatien.
Süddalmatien – Stein, Meer und Weite
Dubrovnik
Dubrovnik wird bis heute von seinen mächtigen Stadtmauern geprägt. Sie umschließen eine Altstadt, die vollständig innerhalb dieser Mauern entstanden ist. Seit 1979 gehört das historische Zentrum zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Über Jahrhunderte war Dubrovnik das Zentrum der unabhängigen Seerepublik Ragusa und eine der bedeutenden Handelsstädte der Adria. Wohlstand und politische Eigenständigkeit prägten die Entwicklung der Stadt ebenso wie ihre Lage am Meer.
Mitten durch die Altstadt verläuft der Stradun, eine breite Straße aus großen Kalksteinplatten. Während man darüber läuft, wird einem bewusst, wie viele Schritte diese Steine über die Jahre glatt geschliffen haben.
Wer genauer hinschaut, erkennt einige Orte wieder: Teile der Altstadt dienten als Kulisse für Königsmund in Game of Thrones.

Korčula
Korčula ist eine der größeren Inseln Süddalmatiens. Die Altstadt liegt auf einer kleinen Halbinsel und wird von einer mittelalterlichen Stadtmauer umgeben. Ihre engen Gassen verlaufen fächerförmig durch die Stadt. Ein ungewöhnlicher Umriss, der so angelegt wurde, dass Wind durch die Straßen zirkulieren kann.
Über Jahrhunderte stand Korčula unter venezianischem Einfluss und entwickelte sich zu einem wichtigen Ort für Handel, Schiffbau und Steinbearbeitung. Auch der Weinbau hat auf der Insel eine lange Tradition. Aus Orten wie Čara stammt der bekannte Weißwein Pošip, der heute weit über Dalmatien hinaus geschätzt wird.
Eine Tradition, die in Korčula bis heute lebendig geblieben ist, ist die Moreška, ein historischer Schwerttanz. Wenn man den Tänzern dabei zusieht, fühlt man sich für einen Moment zurückversetzt in eine Zeit, in der solche Kämpfe noch Teil des Lebens waren.
Doch Kroatien endet nicht an der Küste. Im Landesinneren verändert sich das Bild deutlich: Statt Inseln und Buchten bestimmen hier Flüsse und weite Ebenen die Landschaft.
Hinterland – Städte, Flüsse und Kultur
Zagreb
Zagreb, Hauptstadt und politisches Zentrum des Landes, liegt im Nordwesten Kroatiens, am Fuß des Medvednica-Gebirges. Das Zentrum gliedert sich in zwei Teile: die Oberstadt mit ihren engen Gassen und historischen Gebäuden und die Unterstadt mit breiten Boulevards aus der Zeit der Habsburger Monarchie. In der Oberstadt steht auch die Markuskirche mit ihrem bunten Ziegeldach, eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt.
Auf dem Dolac-Markt findet in Zagreb der Alltag statt: es stapeln sich Obst, Gemüse und Blumen unter roten Sonnenschirmen. Menschen feilschen mit den Händlern um die Preise, man trifft sich in Cafés, die selten nur eine Zwischenstation sind, denn kaum irgendwo sonst gehört das Café so selbstverständlich zum Tagesablauf wie hier. Man sitzt, spricht, schaut dem Treiben zu. Und bestellt noch einen Kaffee. Oder zwei.
Der Tourismus steht in Zagreb weniger im Vordergrund als an vielen Orten der Küste. In Zagreb geht es nicht um Meerblick oder Postkartenmotive, sondern um das Leben einer modernen, urbanen Stadt.
Baranja
Die Baranja liegt im äußersten Nordosten Kroatiens, zwischen Donau und Drau. Weite Felder, Auenlandschaften und kleine Dörfer bestimmen hier das Bild.
Mitten in dieser Landschaft liegt der Naturpark Kopački rit, eines der größten Feuchtgebiete Europas. In den Überschwemmungswäldern und Schilfflächen finden zahlreiche Vogelarten ihren Lebensraum.
Auch kulinarisch hat die Region ihren eigenen Charakter. Fiš paprikaš, kräftige Eintöpfe und Weine aus lokalen Rebsorten gehören hier zur Tradition. Vieles ist ländlicher und stiller als an der Küste, stärker vom Rhythmus der Jahreszeiten bestimmt.
Die Baranja ist kein Ort für spektakuläre Kulissen und genau darin liegt ihr Reiz. Statt bekannter Sehenswürdigkeiten findet man hier weite Ebenen, Flusslandschaften und geschützte Natur.
Neben Städten, Inseln und Regionen gehören auch einige außergewöhnliche Naturlandschaften zu den eindrucksvollsten Orten des Landes.
Ein Teil davon hat mit Wasser zu tun.
Natur & Nationalparks – Wasser in Bewegung
Plitvicer Seen
Die Plitvicer Seen zählen zu den bekanntesten Naturorten Kroatiens und seit 1979 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Sechzehn kaskadenartig angeordnete Seen sind durch mehr als neunzig Wasserfälle miteinander verbunden. Holzstege führen über das Wasser und durch dichte Wälder. Je nach Licht und Mineralgehalt schimmert das Wasser in unterschiedlichen Blau- und Grüntönen.
Der Nationalpark ist gut erschlossen, mit ausgewiesenen Wegen und klaren Besucherlenkungen.
Die Plitvicer Seen sind kein verborgenes Naturwunder. Trotzdem bleibt der Eindruck außergewöhnlich – man bleibt gerne stehen und schaut dem Wasser zu, wie es von einem Becken ins nächste fließt.

Krka Nationalpark
Der Krka-Nationalpark liegt nördlich von Šibenik und folgt dem Lauf des Flusses Krka. Besonders bekannt ist der Wasserfall Skradinski Buk, dort fällt der Fluss über breite Kalkstufen in mehrere Kaskaden.
Anders als bei den Plitvicer Seen verläuft hier ein Großteil des Rundwegs direkt am Wasser entlang. Holzstege verlaufen dicht über dem Wasser, manchmal so nah, dass man die feine Gischt auf der Haut spürt. Das Rauschen ist konstant, fast beruhigend, und begleitet jeden Schritt.
Krka wirkt offener, weniger weitläufig als Plitvice, aber ebenso eindrucksvoll. Vor allem im Frühjahr lohnt sich ein Besuch, dann führen die Wasserfälle deutlich mehr Wasser als beispielsweise in den Sommermonaten. Dann spürt man besonders deutlich die Kraft des Wassers.
Schönheit ist kein Wettbewerb
Und vielleicht braucht es das auch gar nicht, wenn man nach schönen Orten in Kroatien sucht. Es gibt keinen ersten Platz. Kein „besser“ und kein „spektakulärer“. Manche Orte beeindrucken durch ihre Geschichte, andere durch ihre Landschaft. Einige treten offen und präsent auf, andere leise und zurückhaltend.
Wie schön ein Ort ist, hängt davon ab, wie man ihn betrachtet: ob man sich auf seine Atmosphäre einlässt, auf die Menschen, auf das, was eine Landschaft in einem auslösen kann. Deshalb bleibt Schönheit immer auch etwas Persönliches und lässt sich nur schwer in eine Rangliste zwängen.
Wahrscheinlich ist genau das das Schönste an Kroatien: dass jeder seinen eigenen Ort findet, der ihm am meisten bedeutet.
Bildquelle: Envato Elements