Rovinj: Stadt der Batana, Ateliers und Häuser am Wasser

Die Batana – gebaut für diese Küste

Am Rand des Hafens von Rovinj liegt ein flaches Holzboot im Wasser. Breiter Rumpf, kaum Tiefgang. Eine Batana.

Diese Boote werden hier seit Jahrhunderten gebaut. Einfache, robuste Konstruktionen, angepasst an die Bedingungen vor der Küste. Das Meer ist vergleichsweise flach, die Fischgründe liegen nah. Größere Schiffe hätten hier keinen Vorteil gebracht. Die Batana ließ sich von einer Person bewegen, direkt vom Ufer aus nutzen und bei Bedarf an Land ziehen.

Ihre Stärke lag darin, genau zu diesen Gewässern zu passen.

Die Bauweise hat sich über Generationen entwickelt. Sie ist das Ergebnis lokaler Erfahrung: weitergegeben, teils verändert und manches bewusst beibehalten.

Heute sieht man die Batana noch immer im Hafen. Nicht mehr als zentrales Arbeitsboot der Fischerei, aber weiterhin in Gebrauch, etwa bei traditionellen Ausfahrten und im Umfeld des Ecomuseo Batana.

Wer sie versteht, versteht auch etwas Grundsätzliches über diese Stadt:
Rovinj ist nicht aus einem Plan heraus entstanden, sondern aus dem, was genau hier funktioniert hat.

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Die Altstadt von Rovinj in Kroatien und die Häuser am Wasser

Die Altstadt von Rovinj liegt auf einer Halbinsel, die bis ins 18. Jahrhundert hinein eine Insel war und erst später mit dem Festland verbunden wurde. Die Bebauung ist entsprechend dicht, die Wege unregelmäßig, klare Achsen sind kaum erkennbar.

An der Hafenseite stehen die bekannten Häuser direkt am Wasser. Fassaden in verblassten Pastelltönen – Ocker, Rosa, gedämpftes Blau – reihen sich dicht aneinander. Die Fundamente reichen bis ans Meer, teils direkt hinein. Zwischen den Gebäuden führen schmale Durchgänge ins Innere der Altstadt.

Diese Bauweise ist kein dekoratives Element, sondern das Ergebnis historischer Verdichtung. Innerhalb der ehemaligen Stadtmauern war der Platz begrenzt. Erweiterungen erfolgten dort, wo es möglich war, auch in Richtung Wasser. Die Häuser entstanden nicht als Ensemble, sondern über längere Zeit, angepasst an verfügbare Flächen und bestehende Strukturen.

So entwickelte sich die heute geschlossene Front zum Meer, ohne dass sie je als einheitliche Fassade geplant war.

Die Kirche der heiligen Euphemia in Rovinj und ihre Geschichte

Über der Altstadt erhebt sich die Crkva sv. Eufemije. Der heutige Bau stammt aus dem 18. Jahrhundert (1725–1736) und ersetzte ältere Kirchen an derselben Stelle. Der freistehende Glockenturm orientiert sich deutlich am Vorbild des Markusturm in Venedig, einem der bekanntesten Campanili der Lagunenstadt.

Im Inneren liegt der Sarkophag der heiligen Euphemia. Ihre Geschichte ist ungewöhnlich – und erklärt, warum sie hier verehrt wird.

Euphemia lebte im 3. Jahrhundert in Chalkedon (heute Türkei). Während der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian wurde sie gefoltert und schließlich getötet. Überliefert ist, dass sie in einer Arena wilden Tieren ausgesetzt wurde.

Jahrhunderte später – um das Jahr 800 – soll ihr steinerner Sarkophag an die Küste von Rovinj gespült worden sein. Historisch lässt sich dieser Weg nicht nachvollziehen; wahrscheinlicher ist ein Transport über See. Die lokale Überlieferung erzählt jedoch eine andere Geschichte: Mehrere Versuche, den Sarkophag zu bewegen, seien gescheitert. Erst ein Junge – in der Legende ein Hirte mit zwei Ochsen – habe ihn an Land ziehen können.

Belegbar ist diese Erzählung nicht. Ihre Bedeutung für die Stadt ist es dennoch: Euphemia wurde zur Schutzpatronin, ihr Sarkophag zum zentralen religiösen Bezugspunkt.

Vor der Kirche liegt ein weiter Platz am höchsten Punkt der Altstadt. Von hier aus reicht der Blick über die dicht gebauten Dächer bis zum Wasser und hinaus auf die Inseln vor Rovinj. Erst von oben wird sichtbar, wie kompakt sich die Stadt auf der ehemaligen Insel entwickelt hat. Und wie eng hier alles zusammenliegt.

Pastellfarbene Häuser der Altstadt von Rovinj in Kroatien direkt am Wasser, Blick entlang der Küste

Die Kunstszene in Rovinj: gewachsen, nicht geplant

Rovinj gilt seit Jahrzehnten als eine der wichtigsten Künstlerstädte an der kroatischen Adriaküste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann sich die Stadt als Treffpunkt für Künstler zu etablieren. In den 1950er-Jahren entstanden erste Ateliers und künstlerische Arbeitsräume, später auch organisierte Formate wie Sommeraufenthalte und Ausstellungen. Künstler aus Jugoslawien und anderen europäischen Ländern kamen nach Rovinj, arbeiteten hier zeitweise und blieben teilweise über Jahre verbunden.

Eine Rolle spielte dabei nicht nur das Licht oder die Lage am Meer, sondern auch die vorhandene Struktur der Altstadt: kleine, erschwingliche Räume, die sich als Ateliers nutzen ließen, kurze Wege und eine gewachsene, dichte Bebauung, die Arbeiten und Leben eng miteinander verband.

Ein sichtbarer Ausdruck dieser Entwicklung ist die Ulica Grisia. Sie verbindet die Altstadt mit der Kirche und wird bis heute von Ateliers und kleinen Galerien geprägt. Seit den 1960er-Jahren findet hier regelmäßig eine Kunstausstellung statt, bei der Werke entlang der Straße im öffentlichen Raum gezeigt werden.

Heute existieren unterschiedliche Formen nebeneinander:

  • klassische Ateliers, in denen gearbeitet wird
  • Galerien mit kuratierten Ausstellungen
  • Verkaufsräume mit touristischer Ausrichtung

Diese Mischung zeigt sich direkt im Straßenbild. Eine offene Tür gibt den Blick auf einen Raum mit Farben, Werkzeugen und unfertigen Arbeiten frei. Wenige Meter weiter hängen fertige Bilder dicht nebeneinander, so arrangiert, dass sie direkt zum Kauf einladen. Die Kunst ist nicht auf einen Ort konzentriert. Sie verteilt sich über die Stadt und ist fester Teil ihres Alltags.

Balbi-Bogen in Rovinj – Zugang zur Altstadt

Der Zugang zur Altstadt führt durch den Balbi-Bogen. Er wurde 1678/79 als barocker Torbogen an der Stelle des früheren Haupttors Porta di Pescheria errichtet.

Der Bogen war Teil der ehemaligen Stadtbefestigung. Bis 1763 war Rovinj noch durch einen schmalen Kanal vom Festland getrennt; der Zugang zur Stadt verlief daher über wenige kontrollierte Punkte.

Über dem Tor ist der geflügelte Löwe des heiligen Markus zu sehen – das Hoheitszeichen der Republik Venedig.

Der Bogen markiert bis heute einen der wichtigsten Zugänge zur damaligen Inselstadt.

Die Inseln vor Rovinj

Vor der Küste von Rovinj liegen mehrere Inseln. Am nächsten zur Altstadt liegt Sveta Katarina, dahinter unter anderem Crveni Otok, eine aus zwei verbundenen Inseln bestehende Anlage mit Parkflächen und Badebuchten.

Vom Hafen aus sind sie unmittelbar präsent. Die Entfernung ist so gering, dass die Überfahrt nur wenige Minuten dauert.

Für die Schifffahrt und den Fischfang in Küstennähe hatten sie eine klare Funktion: Sie brechen Wind und Wellen aus westlicher Richtung und schaffen dahinter ruhigere Wasserflächen. Gerade für kleinere Boote – wie die Batana – waren diese Bereiche entscheidend.

Auf Crveni Otok verlaufen angelegte Wege durch Parkflächen, mit mehreren Zugängen ins Wasser und größeren Liegeplätzen. Sveta Katarina ist kompakter: kleine Buchten, schmale Einstiege, dichter Bewuchs.

Boote verkehren regelmäßig, die Strecke ist in wenigen Minuten zurückgelegt.

Und während man noch überlegt, welche Badeschuhe heute zum Einsatz kommen, legt das Boot schon an.

Rovinj

Rovinj lässt sich schnell beschreiben: Häuser am Wasser, eine Kirche über der Altstadt, Boote im Hafen.
Das stimmt alles. Und reicht trotzdem nicht aus.

Erst oben vor der Crkva sv. Eufemije, wenn der Blick über das Meer geht, oder unten in einem Atelier, wenn ein junger Künstler beginnt, von seinem Bild zu erzählen, versteht man, was diese Stadt ausmacht.

Und erstaunlich schnell weiß man, wo genau dieses Bild zu Hause hängen würde.

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Bildquelle: Envato Elements