Mitte Dezember steht in vielen kroatischen Wohnungen ein unscheinbarer Teller. Darauf liegen ein paar Handvoll Weizenkörner in etwas Wasser, sonst nichts. Wer den Brauch nicht kennt, könnte an ein Experiment aus dem Biologieunterricht denken. Zwölf Tage später ist aus den Körnern ein dichtes, grünes Büschel geworden. Darum kommt eine rot-weiß-blaue Schleife, in die Mitte eine Kerze, und der Teller wandert auf den Weihnachtstisch.
Ausgesät wird der Weizen traditionell am 13. Dezember, dem Tag der heiligen Lucija. In Teilen Dalmatiens bringt sie den Kindern in der Nacht kleine Geschenke und Süßigkeiten. Daran erinnere ich mich noch gut. Schon am Abend vorher war ich aufgeregt, denn ich wusste, dass Lucija kommen würde, während ich schlief. Und natürlich war am nächsten Morgen mein erster Griff unter das Kopfkissen. Ob sie wohl etwas dagelassen hatte?
Adventskranz, Christbaum, Plätzchen und mehr Essen, als eigentlich nötig wäre: Vieles an Weihnachten in Kroatien kommt auch deutschen Besuchern vertraut vor. Und doch läuft einiges anders. Der Heiligabend ist traditionell ein Tag, an dem auf Fleisch verzichtet wird. Stattdessen gibt es beispielsweise Bakalar, getrockneten Kabeljau. Und an drei Adventssonntagen werden Familienmitglieder im Scherz gefesselt, bis sie sich mit kleinen Geschenken freikaufen.
Dieser Artikel erklärt die kroatischen Weihnachtstraditionen vom Nikolaustag bis zu den Heiligen Drei Königen, was an Badnjak und am Weihnachtstag gegessen wird, wo man den Advent 2026 erleben kann und was man wissen sollte, wenn man über Weihnachten nach Kroatien reist.
Weihnachten in Kroatien kurz und knapp
- Der wichtigste Abend: Badnjak, der 24. Dezember. Traditionell wird gefastet oder zumindest auf Fleisch verzichtet. Häufig kommt Fisch auf den Tisch.
- Typisches Essen: Bakalar an Badnjak, Sarma oder Purica s mlincima am Weihnachtstag. Dazu Fritule, Orahnjača und Makovnjača.
- Feiertage: 25. und 26. Dezember sowie 1. und 6. Januar. Der 24. Dezember ist kein gesetzlicher Feiertag.
- Geschenke: Der heilige Nikolaus kommt am 6. Dezember, in Teilen Dalmatiens bringt traditionell die heilige Lucija am 13. Dezember kleine Geschenke. Dazu kommt die Bescherung an Weihnachten.
- Advent in Zagreb 2026: 28. November 2026 bis 7. Januar 2027.
- Weihnachtsgruß: Sretan Božić bedeutet Frohe Weihnachten.
In diesem Artikel
Božić: Warum Weihnachten auf Kroatisch „kleiner Gott“ heißt
Das kroatische Wort für Weihnachten ist Božić. Es ist die Verkleinerungsform von Bog, also Gott, und bedeutet wörtlich „kleiner Gott“. Ursprünglich bezeichnete das Wort das Jesuskind, später wurde es auf das Fest seiner Geburt übertragen.
Auch hinter dem kroatischen Namen für Heiligabend steckt eine Geschichte. Badnjak ist mit dem kroatischen Verb bdjeti verwandt, das „wachen“ bedeutet. Der Name erinnert an den alten Brauch, am Heiligabend wach zu bleiben, bis die Mitternachtsmesse gefeiert wurde.
Ein weiteres Detail zeigt, wie eng Weihnachten und Jahreswechsel früher zusammenhingen. Im mittelalterlichen Europa galt mancherorts der 25. Dezember als Beginn des neuen Jahres. Auch in der kroatischen Überlieferung findet sich diese Verbindung: Der Neujahrstag wurde regional als Mali Božić oder Mladi Božić bezeichnet, also als kleines oder junges Weihnachten.
Advent in Kroatien: Stiefel, Weizen und gefesselte Mütter
Die Adventszeit, auf Kroatisch došašće, beginnt auch in Kroatien vier Sonntage vor Weihnachten mit dem Adventskranz. Eine besondere Tradition sind die zornice, Frühmessen, zu denen die Gläubigen schon vor Sonnenaufgang in die Kirche gehen. Dazwischen liegen einige Festtage, mit denen Bräuche verbunden sind, die in Deutschland weniger bekannt sind.

4. Dezember: Sveta Barbara und der erste Weihnachtsweizen
Nicht überall wartet man mit dem Weihnachtsweizen bis zum Luciatag. In manchen kroatischen Regionen wird er bereits am 4. Dezember, dem Tag der heiligen Barbara, ausgesät. Bis Weihnachten wachsen daraus grüne Halme, die später den Festtagstisch schmücken.
In Slawonien war der Barbaratag außerdem ein Anlass für gegenseitige Besuche. Die Gäste wünschten den Familien Gesundheit, Nachwuchs bei den Nutztieren und eine gute Ernte. Zur Begrüßung gehörten überlieferte Segenssprüche, zur Bewirtung beispielsweise die hausgemachte slawonische Wurst.
6. Dezember: Sveti Nikola und die goldene Rute
Am Abend vor dem Nikolaustag putzen Kinder ihre Stiefel und stellen sie ans Fenster. Wer brav war, findet am nächsten Morgen Süßigkeiten und kleine Geschenke darin. Begleitet wird der heilige Nikolaus vom Krampus, der statt Geschenken eine Rute bringt, die šiba. In Kroatien ist sie allerdings häufig golden oder silbern angemalt und natürlich eher Dekoration als Drohung.
Viele Kinder bekommen ohnehin beides. Die Rute steckt dann neben der Schokolade, als freundlicher Hinweis fürs nächste Jahr. Sveti Nikola ist übrigens auch Schutzpatron der Seeleute und Fischer, was an der kroatischen Küste eine besondere Bedeutung hat.
13. Dezember: Sveta Lucija und der Weihnachtsweizen
Am Tag der heiligen Lucija wird vielerorts der Weihnachtsweizen ausgesät, die božićna pšenica. Sein dichtes Grün galt früher als gutes Vorzeichen für die kommende Ernte. In vielen Familien bleibt er bis zum Dreikönigstag auf dem Weihnachtstisch stehen. Früher wurden die Halme anschließend mancherorts an die Tiere verfüttert.
Eine Legende verbindet den Weizen mit der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Maria soll einen Bauern, der gerade sein Feld bestellte, gebeten haben, den Soldaten des Herodes zu sagen, die Familie sei vorbeigekommen, als er säte. Als die Verfolger eintrafen, war der Weizen auf wundersame Weise bereits hoch gewachsen. Die Soldaten glaubten, die Familie müsse schon vor langer Zeit dort gewesen sein, und gaben die Verfolgung auf.
Der Name Lucija geht auf das lateinische lux zurück, Licht. Der Zusammenhang mit dem Licht hat auch einen kalendarischen Hintergrund: Im alten julianischen Kalender lag der Luciatag zeitweise nahe an der Wintersonnenwende. Heute fällt diese auf den 21. oder 22. Dezember.
Djetinjci, Materice, Očići: drei Sonntage zum Freikaufen
An den letzten drei Adventssonntagen gibt es in manchen kroatischen Regionen einen ungewöhnlichen Brauch: Erst müssen sich die Kinder freikaufen, dann die Mütter und schließlich die Väter.
Der zweite Adventssonntag heißt Djetinjci, in Dalmatien auch Ditići, und ist den Kindern gewidmet. Der dritte heißt Materice und gehört den Müttern, der vierte heißt Očići und gehört den Vätern.
An Djetinjci drohen die Erwachsenen den Kindern im Scherz mit dem Festbinden. Freikaufen können sie sich mit kleinen Gaben. Eine Woche später sind die Mütter an der Reihe. Die Kinder versuchen, sie beispielsweise mit einer Schnur an den Beinen festzubinden. Erst wenn die Mutter Nüsse, getrocknete Feigen oder Süßigkeiten verteilt, wird sie wieder freigelassen. Am vierten Adventssonntag trifft es die Väter.
An Očići wurden früher auch die übrigen Männer in Verwandtschaft und Nachbarschaft besucht, die sich auf die gleiche Weise auslösen mussten. Wer an diesem Sonntag ohne Nüsse in der Tasche aus dem Haus ging, hatte also ein Problem.
Die Bräuche unterscheiden sich von Ort zu Ort, doch das spielerische Geben und Nehmen steht überall im Mittelpunkt. Überliefert sind sie besonders aus Süddalmatien und dem dalmatinischen Hinterland.
Badnjak: Der eigentliche Weihnachtsabend
Wie in Deutschland ist auch in Kroatien der Heiligabend ein besonderer Teil des Weihnachtsfestes. Badnjak beginnt traditionell mit Verzicht: Früher wurde an diesem Tag gefastet, und bis heute kommt in vielen Familien kein Fleisch auf den Tisch. Stattdessen gibt es Fisch, häufig Bakalar. Die großen Braten folgen erst an Weihnachten.
Traditionell wurde an Badnjak auch erst der Christbaum geschmückt, in vielen Familien steht er inzwischen aber deutlich früher. Unter dem Baum findet sich häufig eine Weihnachtskrippe, die jaslice. Der Brauch geht auf Franz von Assisi zurück, der 1223 im italienischen Greccio die Geburt Jesu mit Menschen und Tieren nachstellen ließ. In Kroatien entwickelte sich daraus eine eigene Krippentradition. Zu den ältesten erhaltenen Zeugnissen kroatischer Krippenkunst gehören die Krippen im Franziskanerkloster auf der kleinen Insel Košljun bei Krk. Die berühmte Krippendarstellung wird ins 17. Jahrhundert datiert.
Älter als der geschmückte Christbaum sind zwei weitere Bräuche. Früher wurde an Badnjak Stroh ins Haus getragen und auf dem Boden ausgebreitet. Es erinnerte an die Geburt Jesu im Stall von Bethlehem, war aber auch mit älteren Vorstellungen von Fruchtbarkeit und Wohlstand verbunden. Kinder schliefen in manchen Gegenden in dieser Nacht sogar auf dem Stroh.
Der zweite Brauch hat denselben Namen wie der Heiligabend selbst: badnjak. So hieß der große Holzklotz, den der Hausherr am Weihnachtsabend ins Haus brachte und im offenen Herd entzündete. In Dalmatien waren häufig drei Klötze üblich, die auch als Sinnbild der Dreifaltigkeit gedeutet wurden. Je nach Region verwendete man Eichen-, Oliven- oder Steineichenholz. Die Klötze wurden mit Getreide bestreut, mit Wein oder Öl übergossen und sollten möglichst über die Weihnachtsfeiertage weiterglimmen. Selbst die Asche hatte eine Bedeutung: Die Menschen brachten Glutreste auf ihre Felder, weil sie sich davon eine gute Ernte erhofften.
Mit dem Verschwinden der offenen Feuerstellen aus den Wohnhäusern ging auch dieser Brauch weitgehend verloren. An seine Stelle trat mancherorts ein geschmückter Zweig, der an den alten Badnjak erinnert.
Der Abend führt schließlich zur Mitternachtsmesse, der ponoćka. Sie gehört zu den feierlichen Gottesdiensten des kroatischen Weihnachtsfestes. In der katholischen Tradition werden an Weihnachten drei verschiedene Messen gefeiert: in der Nacht, im Morgengrauen und am Tag. Nach der Ponoćka war das traditionelle Fasten beendet. In vielen Familien kamen nun die Fleischgerichte auf den Tisch, die bereits am Heiligabend vorbereitet worden waren. Für manche begann damit erst das eigentliche Weihnachtsessen.
Der 25. Dezember: Sarma, Truthahn und ein Tisch, der nicht leer wird
Wer nach der Mitternachtsmesse noch nicht gegessen hatte, holte das spätestens am Weihnachtstag nach. Auf dem Tisch stand der Weihnachtsweizen mit Kerze und Schleife, daneben die Festtagsgerichte, deren Zubereitung oft schon am Vortag begonnen hatte.
In Zagreb und im Norden gehört Purica s mlincima zu den klassischen Weihnachtsgerichten: gebratener Truthahn mit dünnen, getrockneten Teigfladen, die in heißem Wasser eingeweicht und anschließend im Bratensaft gewendet werden.
In vielen Familien gehört außerdem Sarma zum Weihnachtsessen: mit Hackfleisch und Reis gefüllte Sauerkrautblätter, die stundenlang schmoren. In Sinj gibt es eine regionale Verwandte, die Sinjski arambašići. Was die beiden Gerichte unterscheidet und welche Geschichten sich hinter weiteren kroatischen Spezialitäten verbergen, steht im Artikel „Was isst man in Kroatien? Typische Gerichte und Spezialitäten“.
Der Nachtisch ist eher ein Kapitel als ein Gang:
- Orahnjača und Makovnjača: Hefeteigrollen mit Walnuss- oder Mohnfüllung, besonders in Nord- und Ostkroatien beliebt
- Fritule: kleine frittierte Teigbällchen, häufig mit Rosinen, Zitronenschale und manchmal einem Schuss Schnaps im Teig, zum Schluss mit Puderzucker bestreut
- Kroštule: dünne, knusprig ausgebackene Teigschleifen, die in manchen Regionen auch Hrostule heißen
Aus Mamas Rezeptbuch
Fritule, wie meine Mutter sie an Heiligabend gemacht hat.
Das alte Rezept für die kleinen, in Öl ausgebackenen Hefebällchen aus Dalmatien, ganz ohne Ei und Milch, und warum das an Heiligabend so war. Kostenlos per E-Mail.
Dazu einmal im Monat die „Post aus Kroatien“: besondere Fundstücke, Bräuche und das, was gerade in Kroatien los ist.
In Dalmatien wird zum Nachtisch gern Prošek getrunken, ein süßer Dessertwein aus getrockneten Trauben.
Nicht zum klassischen Nachtisch, aber zum kroatischen Weihnachtsschmuck gehören die Licitari. Die meist roten, reich verzierten Lebkuchenherzen stammen aus der traditionellen Lebkuchenherstellung Nordkroatiens. Seit 2010 steht dieses Handwerk auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit.
Eine besondere Rolle spielte früher auch das Weihnachtsbrot. Je nach Region hieß es Božićnjak, Badnjača oder Ljetnica und wurde mit Figuren aus Teig verziert, manchmal mit einer Kerze in der Mitte. Selbst die Krümel wurden nicht achtlos weggeworfen, sondern beispielsweise an die Tiere verfüttert.
Auch der erste Besucher am Weihnachtstag spielte früher eine besondere Rolle. Man nannte ihn Polaznik oder Položaj und glaubte, dass er der Familie Glück und Wohlstand für das kommende Jahr bringen würde. Besonders willkommen war ein junger, gesunder und erfolgreicher Mann. Damit nichts dem Zufall überlassen blieb, wurde manchmal schon vorher vereinbart, wer das Haus als Erster betreten sollte. Der Gast wurde mit Getreide bestreut und reichlich bewirtet.
Von Stjepanje bis zu den Heiligen Drei Königen
Mit dem 25. Dezember ist Weihnachten auch in Kroatien nicht vorbei. Der 26. Dezember, Sveti Stjepan oder kurz Stjepanje, ist ebenfalls ein gesetzlicher Feiertag. Früher blieb man am Weihnachtstag vor allem im Kreis der Familie, am zweiten Feiertag wurden dagegen Verwandte, Freunde und Nachbarn besucht. Man gratulierte einander zu Weihnachten, brachte kleine Gaben mit und verbrachte den Tag gemeinsam. In manchen Regionen begannen an Stjepanje, in Dalmatien übrigens häufig Stipanje, auch die Haussegnungen.
Am 27. Dezember wird des heiligen Johannes gedacht, einen Tag später folgt das Fest der Unschuldigen Kinder, Nevina dječica. Es erinnert an die Kinder von Bethlehem, die der biblischen Überlieferung zufolge auf Befehl von König Herodes getötet wurden. In kroatischen Kirchengemeinden werden an diesem Tag Kinder im Gottesdienst gesegnet.
Silvester heißt Stara godina, das alte Jahr. Wer Neujahr an der Kvarner-Bucht verbringt, kann in Opatija eine jüngere Tradition erleben: Am 1. Januar um die Mittagszeit steigen die Opatijski kukali am Strand Slatina ins Meer und eröffnen damit ihre neue Badesaison. Dazu gehört eine Neujahrsrunde mit Sekt, und inzwischen wagen sich auch Gäste aus anderen Ländern ins winterliche Wasser.
Am 6. Januar folgt das Fest der Heiligen Drei Könige, Sveta tri kralja, das in Kroatien ebenfalls ein gesetzlicher Feiertag ist. Für viele Familien endet damit die Weihnachtszeit, und der Christbaum wird abgeschmückt. Im katholischen Kirchenjahr dauert sie allerdings noch bis zum Fest der Taufe des Herrn am darauffolgenden Sonntag. Nach älterer Tradition bleiben Weihnachtskrippen und Christbäume mancherorts sogar bis zum 2. Februar stehen.
Danach rückt eine ganz andere Zeit in den Mittelpunkt: die Faschingszeit, die in Kroatien je nach Region Mesopust, Fašnik oder Poklade heißt. Mit Umzügen, Masken und alten Bräuchen wird der Winter verabschiedet.
Aus Mamas Rezeptbuch
Weihnachten in Dalmatien, so wie es bei uns auf den Tisch kam.
Acht Gerichte für Heiligabend, den ersten Weihnachtstag und den Stephanstag, aus dem alten Rezeptbuch meiner Mutter. Dazu die Geschichten, die bei uns zu diesen Tagen gehören, und ein Zeitplan, damit an den Festtagen nicht alles auf einmal kommt.
E-Book als PDF · 55 Seiten · 9 € · direkt zum Herunterladen
Heiligabend (Badnjak)
- Bakalar na bijelo – Klippfischsalat mit Kartoffeln
- Bakalar na brudet – Klippfisch-Eintopf
- Fritule – kleine dalmatinische Hefebällchen
Erster Weihnachtstag (Božić)
- Sinjski arambašići – Sauerkrautröllchen aus Sinj
- Pašticada – Rinderschmorbraten mit Njoki, also Gnocchi
- Krempite – Cremeschnitten mit Vanillecreme
Stephanstag (Stipanje)
- Breskvice – Gebäck, das aussieht wie kleine Pfirsiche
- Makovnjača – Mohnrolle aus Hefeteig
Kolende: Dubrovniks Weihnachtsbrauch mit acht Jahrhunderten Geschichte
In Dubrovnik hat sich ein alter Weihnachtsbrauch bis heute erhalten: das Kolendavanje. An Heiligabend und Silvester ziehen Gruppen durch die Gassen und von Haus zu Haus. Sie singen Kolende, Lieder mit guten Wünschen für die Bewohner, die sich dafür mit Süßigkeiten, getrockneten Feigen, Getränken oder kleinen Geldgeschenken bedanken. Nicht alle Verse sind dabei feierlich. Manche enthalten auch Spott und scherzhafte Anspielungen auf bekannte Personen.
Wie weit die Tradition zurückreicht, zeigt das Stadtstatut von Dubrovnik aus dem Jahr 1272. Darin steht, dass Seeleute an Badnjak nach der Abendandacht zum Rektorenpalast zogen. Sie brachten einen Holzklotz mit, den sie im Palast entzündeten. Der Rektor belohnte sie dafür mit Geld und Getränken. Ob damals schon gesungen wurde, ist nicht überliefert. Ausdrücklich nachgewiesen sind Kolende als Glückwunschlieder erst aus dem 16. Jahrhundert.
Seit 2021 gehört das Dubrovniker Kolendavanje zum geschützten immateriellen Kulturerbe Kroatiens. Ein Jahr später widmeten ihm die Dubrovniker Museen die Ausstellung „Acht Jahrhunderte Dubrovniker Kolendavanje“.
Mehr über die Stadt steht im Artikel „Dubrovnik: Altstadt, Stadtmauer und Sehenswürdigkeiten“.
Weihnachten in Kroatien: Was von den alten Bräuchen geblieben ist
So selbstverständlich der geschmückte Christbaum heute zu Weihnachten gehört, so jung ist die Tradition in Kroatien. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts kam der Brauch nach deutschem Vorbild auf, und es dauerte noch Jahrzehnte, bis er sich auch außerhalb der Städte verbreitete. Zuvor schmückte man die Häuser mit immergrünen Zweigen, Äpfeln, Nüssen und selbst gebasteltem Schmuck aus Papier. Wo heute Glaskugeln hängen, hingen früher manchmal Süßigkeiten, die für Kinder vermutlich mindestens genauso interessant waren.
Auch beim Schenken hat sich einiges verändert. Früher bekamen Kinder in ländlichen Familien zu Weihnachten oft nur Nüsse, Haselnüsse oder kleine Süßigkeiten. Heute liegen in vielen Haushalten Geschenke unter dem Christbaum, doch selbst bei der Frage, wer sie bringt, gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Neben dem heiligen Nikolaus und der heiligen Lucija gehört inzwischen auch Djed Božićnjak, der Weihnachtsmann, zum Fest. Ältere Generationen kennen außerdem Djed Mraz, Väterchen Frost. Während der sozialistischen Zeit Jugoslawiens war er vor allem mit den Neujahrsgeschenken verbunden. Die beiden Figuren erzählen damit auch ein Stück jüngerer kroatischer Geschichte.
Andere Traditionen haben sich unterschiedlich gut gehalten. Der Weihnachtsweizen wird weiterhin ausgesät, die Mitternachtsmesse gehört für viele Familien zum Fest, und auch die besonderen Weihnachtsgerichte werden nach überlieferten Rezepten gekocht. Das Stroh auf dem Fußboden und der brennende Badnjak-Holzklotz sind dagegen selten geworden. Ganz verschwunden sind solche Bräuche aber nicht. In einzelnen Familien und Dörfern werden sie noch immer gepflegt, manchmal auch ganz bewusst an die nächste Generation weitergegeben.
Das kroatische Weihnachtsfest von heute ist deshalb weder eine unveränderte Fortsetzung alter Bräuche noch etwas völlig Neues. Vieles ist geblieben, manches hat eine andere Form angenommen. Und was in einer Familie ganz selbstverständlich dazugehört, kennt man anderswo vielleicht nur noch aus den Erzählungen der Großeltern.
Wer Kroatien in der Wintersaison erleben möchte, findet Tipps im Artikel „Winterurlaub in Kroatien: Advent am Meer, Trüffel, Karneval und eine Küste ohne Trubel“.
Advent in Kroatien 2026: Wo die Lichter angehen
In den letzten Jahren hat sich der Advent in Kroatien zu einem eigenen Reisegrund entwickelt. Am bekanntesten ist Zagreb, das bei European Best Destinations 2016, 2017 und 2018 dreimal in Folge zum besten Weihnachtsmarkt Europas gewählt wurde. Der Advent in Zagreb läuft 2026 vom 28. November bis zum 7. Januar 2027. Plätze, Programm und Spezialitäten stehen ausführlich im Artikel „Zagreb: Sehenswürdigkeiten, Advent und Geschichten“.
Auch an der Küste gibt es Adventsprogramme, oft zwischen historischen Altstädten und dem Meer. Für einige Städte stehen die Termine 2026 bereits fest, bei anderen sind die neuen Programme noch nicht veröffentlicht (Stand: 15. Oktober 2026).
- Rijeka: Der Advent verteilt sich unter anderem auf das Korzo und die Burg Trsat oberhalb der Stadt. Dort findet traditionell die Veranstaltung „Zima na Gradini“ statt. Der genaue Zeitraum 2026/27 ist noch nicht bestätigt.
- Opatija: 27. November 2026 bis 6. Januar 2027. Besonders bekannt sind die beleuchteten Parkanlagen und die festlich geschmückte Küstenpromenade.
- Rovinj: Unter dem Motto „Božić s mora“, Weihnachten vom Meer, stehen die traditionellen Fischerboote der Stadt im Mittelpunkt. Beim Advent werden die sogenannten Batane festlich beleuchtet und schmücken den Hafen und Teile der Altstadt. Dazu gibt es Musik, istrische Spezialitäten und Veranstaltungen rund um das Batana-Ökomuseum. Die Termine für 2026/27 stehen noch aus. Mehr über die Boote und ihre Geschichte steht im Artikel „Rovinj: Stadt der Batana“.
- Split: Der Advent bringt Musik, gastronomische Angebote und weihnachtliche Veranstaltungen an verschiedene Plätze der Stadt. Die genauen Termine für 2026/27 sind noch nicht offiziell bestätigt.
- Dubrovnik: Hier heißt das Programm Dubrovnik Winter Festival. Zum Angebot gehören traditionell Konzerte und weihnachtliche Veranstaltungen in der Altstadt. Die Termine für 2026/27 sind noch zu bestätigen.
- Varaždin: 27. November 2026 bis 6. Januar 2027. Der Advent findet in der historischen Altstadt statt.
Auf den Adventsmärkten bekommt man kuhano vino, also Glühwein, Fritule und gegrillte Würste. Wer ein Mitbringsel sucht, das aus Kroatien stammt, kann nach handgemachten Licitari, regionalen Produkten von OPGs (landwirtschaftlichen Familienbetrieben) oder frischem Olivenöl der neuen Ernte Ausschau halten.
Weihnachten in Kroatien verbringen: Was man vorher wissen sollte
- Feiertage einplanen: Der 25. und 26. Dezember sind gesetzliche Feiertage, an denen die Geschäfte grundsätzlich geschlossen bleiben. Auch am 1. und 6. Januar gelten Feiertagsregelungen. An Heiligabend und Silvester schließen viele Läden früher als sonst. Wer in der Unterkunft selbst kocht, sollte rechtzeitig einkaufen.
- Urlaubsort und Restaurants: Zagreb, Split und andere größere Städte bieten im Dezember meist mehr Auswahl an Restaurants und Veranstaltungen als kleine Badeorte. Viele Ferienunterkünfte, Konobas und Strandbars an der Küste bleiben im Winter geschlossen. Auf den Inseln kann es an den Feiertagen besonders ruhig werden. Wer am 24. oder 25. Dezember essen gehen möchte, sollte sich vorher über die Öffnungszeiten informieren und gegebenenfalls einen Tisch reservieren.
- Fähren und Busse: Fähren und Katamarane verkehren im Winter häufig seltener als im Sommer. An Feiertagen können zusätzliche Fahrplanabweichungen hinzukommen. Das gilt auch für Busverbindungen. Besonders bei einer geplanten Inselüberfahrt sollten Hin- und Rückfahrt vorab geprüft werden.
- Wetter: In Dalmatien ist der Dezember meist milder als im Landesinneren, aber Regen und kräftige Winde gehören dazu. Die Bura kann es auch an sonnigen Tagen empfindlich kalt machen. In Zagreb und anderen Landesteilen sind Frost und winterliche Temperaturen möglich. Mehr zu den regionalen Unterschieden steht im Artikel „Beste Reisezeit für Kroatien“.
- Ponoćka: Die Mitternachtsmesse steht auch Gästen und Reisenden offen. Wer teilnehmen möchte, sollte frühzeitig zur Kirche kommen und auf angemessene Kleidung achten.
- Weihnachtsgrüße: „Sretan Božić“ bedeutet Frohe Weihnachten, „Sretna Nova godina“ Frohes neues Jahr.
Öffnungszeiten und Fahrpläne können sich über die Feiertage ändern. Aktuelle Fährverbindungen lassen sich bei Jadrolinija prüfen.
Von alten Bräuchen und vollen Weihnachtstischen
Einen brennenden Holzklotz im Herd braucht es heute nicht mehr, um in Kroatien Weihnachten zu feiern. Manche Familien pflegen die alten Bräuche weiterhin, andere kennen sie nur aus den Erzählungen ihrer Großeltern. Und selbst innerhalb einer Region kann Weihnachten in zwei Familien ganz unterschiedlich aussehen.
Eines dürfte sich allerdings in vielen kroatischen Familien kaum geändert haben: Am Weihnachtstisch wird selten knapp kalkuliert.
Und spätestens am zweiten Weihnachtsfeiertag, nach Sarma, Orahnjača und dem dritten Teller Fritule, versteht man, warum an Badnjak traditionell gefastet wurde.
Mehr Kroatien entdecken
- Zagreb: Sehenswürdigkeiten, Advent und Geschichten aus Kroatiens Hauptstadt – Adventsplätze, Termine 2026, Licitar und was man im Zagreber Advent probieren sollte.
- Was Kroatien anders macht – Kleine Gewohnheiten, Traditionen und Besonderheiten, die im Alltag auffallen.
- Kroatisches Olivenöl: Warum das beste Öl im Hals kratzt – und woran man es erkennt – Warum sich das junge Öl der neuen Ernte im Winter besonders lohnt.
- Kava in Kroatien – Warum Kaffee hier mehr ist als nur ein Getränk – Über eine Tasse, die gerne Stunden dauern darf.
Bildquelle: Nikola Tomašić / Unsplash, PhotoEnduro / Pixabay