An Badnjak, dem Heiligabend, kam bei uns kein Fleisch auf den Tisch. Es war ein Fastentag, und das galt auch für das Gebäck: Die Fritule meiner Mutter wurden ohne Ei und ohne Milch gemacht. Hefe, Mehl, lauwarmes Wasser, etwas Zitronenschale und ein Schuss Rakija, also kroatischer Obstbrand, bei uns meist Lozovača aus Trauben. Mehr brauchte es nicht.
Später hat sie die Fritule nur noch aus dem Kopf gemacht. Aufgeschrieben ist das Rezept trotzdem, auf einem alten Zettel, mit einer Menge für die ganze Verwandtschaft: anderthalb Kilo Mehl. Als ich es nachgebacken habe, gab es bei uns tagelang Fritule. Für dieses Rezept habe ich die Menge deshalb auf ein Drittel umgerechnet.
Warum ohne Ei und Milch?
Diese „posne fritule“, also Fastenfritule, sind eine sehr alte Art, das Gebäck zuzubereiten. Neuere Rezepte arbeiten meist mit Eiern, Milch oder Joghurt. Ohne Ei gelten Fritule als besonders leicht, innen luftig und außen knusprig. Milch dagegen macht den Teig weicher, und durch den Milchzucker bräunen die Fritule schneller, manchmal bevor sie innen durch sind.
Zutaten
Ein Drittel der Menge vom Zettel, ergibt je nach Größe etwa 40 Fritule.
- 500 g Mehl
- 10 g frische Hefe
- 2 TL Zucker
- gut ⅓ TL Salz
- ca. 330–400 ml lauwarmes Wasser
- 1 EL Rakija, zum Beispiel Lozovača
- Abrieb einer halben Bio-Zitrone
- ca. 1 Liter neutrales Öl zum Frittieren
- fein gemahlener Vanillezucker zum Bestäuben
Nach Belieben
- ein Spritzer Anisschnaps
- 50–80 g Rosinen, wer sie mag, gern mehr
- 2–4 EL gemahlene Walnüsse, nach Geschmack
Zubereitung
- Hefe mit etwas lauwarmem Wasser und so viel Mehl verrühren, dass ein dickflüssiger Vorteig entsteht. An einem warmen Ort stehen lassen, bis sich Blasen bilden und er sichtbar größer geworden ist, meist nach 15 bis 30 Minuten.
- Restliches Mehl mit Zucker und Salz mischen und den Vorteig dazugeben.
- Zuerst etwa 250 ml lauwarmes Wasser einrühren, dann nach und nach mehr, je nach Mehl. Der Teig ist richtig, wenn er dick und klebrig ist, sich nicht kneten lässt und nur langsam, schwer und zäh vom Löffel fällt.
- Rakija und Zitronenschale dazugeben. Bei uns gab es die Fritule immer pur, nur mit Vanillezucker bestäubt. Wer mag, gibt Anisschnaps, Rosinen oder Walnüsse dazu.
- Den Teig mit dem Kochlöffel schlagen, bis er Blasen wirft. Dann etwa eine Stunde gehen lassen.
- Das Öl in einem hohen Topf auf etwa 170 °C erhitzen. Zwei Löffel kurz ins heiße Öl tauchen, damit nichts klebt, und mit ihnen kleine Portionen abstechen.
- Goldbraun ausbacken, nicht zu viele auf einmal, sie brauchen Platz. Mit einem Schaumlöffel herausnehmen und kurz auf Küchenpapier abtropfen lassen.
- Sofort mit Vanillezucker bestäuben und warm servieren. Frisch schmecken sie am besten.
Gut zu wissen
- Wer es süßer mag, sollte trotzdem nicht mehr Zucker in den Teig geben: Dann werden die Fritule außen dunkel, bevor sie innen durch sind. Lieber großzügiger mit Vanillezucker bestäuben.
- Der Schuss Rakija verfliegt beim Ausbacken. Er soll dafür sorgen, dass die Fritule weniger Öl aufsaugen.
- Ohne Thermometer hilft ein Holzlöffel: Steigen am Stiel im Öl kleine Bläschen auf, ist es heiß genug.
- Den Topf höchstens zur Hälfte mit Öl füllen und nie unbeaufsichtigt lassen.
Die Fritule sind eines von acht Rezepten aus meinem E-Book „Aus Mamas Rezeptbuch: Weihnachten in Dalmatien“. Darin stehen die Gerichte, die bei uns an Heiligabend, am ersten Weihnachtstag und am Stephanstag auf den Tisch kamen, vom Bakalar, also Klippfisch, bis zur Makovnjača, der Mohnrolle. Dazu ein Zeitplan für die Festtage, die Geschichten zu den Gerichten und für alle Rezepte mit Alkohol eine alkoholfreie Variante.
Lijep pozdrav
Edita
Simply Croatia
