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Kultur und Genuss 10 Min. Lesezeit

Kroatisches Olivenöl: Warum das beste Öl im Hals kratzt – und woran man es erkennt

Bild zum Artikel Kroatisches Olivenöl: Olivenzweig mit grünen Oliven vor einem alten Steinhaus und dem Meer in Dalmatien

Bei einer Verkostung in Dalmatien bekam ich einen kleinen Schluck Olivenöl gereicht. Es duftete intensiv nach Oliven und machte sofort Lust aufs Probieren. Im Mund war es samtig weich, leicht nussig und unglaublich rund. Dann kam das Kratzen im Hals, und ich musste husten. Der Produzent lächelte nur. Mein Husten war für ihn ein Kompliment an sein Öl.

Kurz danach war ich in Pirovac, einem kleinen Ort zwischen Šibenik und Zadar: Hier stehen Olivenhaine, deren Öl in New York Goldmedaillen holt. In diesem Artikel geht es um alles, was man über kroatisches Olivenöl wissen sollte: von den Sorten über die Regionen bis zu der Frage, warum man im Laden besser aufs Etikett schaut als auf die Farbe.

Warum gutes Olivenöl im Hals kratzt

Für das typische Kratzen im Rachen ist vor allem Oleocanthal verantwortlich. Der natürliche Pflanzenstoff gehört zu den phenolischen Verbindungen im Olivenöl. Deshalb kann ein Öl im Mund zunächst weich und angenehm schmecken und kurz darauf einen Hustenreiz auslösen.

Forscher wurden darauf aufmerksam, weil die Empfindung an das Kratzen von flüssigem Ibuprofen erinnerte. In Laboruntersuchungen zeigte sich, dass Oleocanthal bestimmte an Entzündungsprozessen beteiligte Enzyme hemmt, die auch durch Ibuprofen gehemmt werden.

Unter Olivenölkennern ist deshalb manchmal scherzhaft vom „Ein-Huster-“ oder „Zwei-Huster-Öl“ die Rede. Ganz wörtlich sollte man das allerdings nicht nehmen: Wie stark ein Öl im Hals kratzt, sagt nicht exakt, wie viele Polyphenole darin stecken.

Fest steht aber: Bitterkeit und Schärfe sind bei nativem Olivenöl extra keine Fehler. Sie gehören neben der Fruchtigkeit zu den erwünschten Eigenschaften eines guten Öls. Ein sehr mildes Öl muss deshalb nicht schlechter sein – ein kräftiges, bitteres oder deutlich pikantes Öl aber eben auch nicht. Gerade bei frischen Ölen aus früh geernteten Oliven kann die Schärfe ausgesprochen deutlich sein.

Pirovac: kleiner Ort, große Öle

Wer durch das Hinterland von Pirovac fährt, sieht Trockenmauern, dazwischen unzählige Olivenbäume. Einer dieser Haine gehört der Familie Uroda. Angelegt hat ihn Vater Ante, der 2010 auf vernachlässigtem Familienland Hunderte Olivenbäume pflanzte und seinen Sohn ermutigte, den Hain weiterzuführen. Krešimir Uroda wuchs in Čakovec im Norden Kroatiens auf und kehrte 2018 nach Pirovac zurück. An einem der Haine steht heute ein Schild, mit dem sich die Familie bei Ante für das Anlegen der Haine bedankt.

Das 2026 in New York ausgezeichnete Öl der Urodas ist eine Cuvée aus vier Sorten: Leccino, Oblica, Levantinka und Lastovka. Beim NYIOOC, einem der renommiertesten Olivenöl-Wettbewerbe der Welt, gewann Uroda damit erneut Gold. Es war bereits die fünfte Goldmedaille des Familienbetriebs bei diesem Wettbewerb.

Was mich beeindruckt hat, sind die Mengen einer früheren Ernte: Von 354 Bäumen wurden rund zwei Tonnen Oliven eingebracht. Daraus entstanden etwa 450 bis 500 Liter Öl, also ungefähr vier bis viereinhalb Kilogramm Oliven pro Liter. Wer das einmal weiß, sieht den Preis für eine Flasche gutes Öl mit anderen Augen.

Uroda ist in Pirovac nicht allein. Auch die Familie Urem produziert dort preisgekröntes Olivenöl. 2026 gewann ihr sortenreines Coratina-Öl beim NYIOOC Gold. Coratina stammt ursprünglich aus Apulien. Eine Sorte aus Italien bringt also eine Goldmedaille nach Norddalmatien.

Die wichtigsten kroatischen Olivensorten

Kroatien hat eine ganze Reihe eigener, autochthoner Olivensorten. Einige davon begegnen einem auf Flaschen und bei Verkostungen besonders häufig:

  • Oblica – die am weitesten verbreitete Olivensorte Kroatiens und vor allem für Dalmatien typisch. Ihre rundlichen Früchte werden sowohl für Öl als auch als Tafeloliven verwendet. Das Öl gilt als ausgewogen und eher zugänglich.
  • Levantinka – eine dalmatinische Sorte, die besonders mit den Inseln Mitteldalmatiens verbunden ist. Sie ergibt ausgewogene Öle und wächst traditionell häufig zusammen mit Oblica.
  • Lastovka – eine einheimische Sorte, die besonders mit dem Westen der Insel Korčula verbunden ist und dort zu den wichtigsten Ölsorten gehört.
  • Drobnica – eine alte kroatische Sorte mit kleinen Früchten, die heute deutlich seltener angebaut wird als Oblica.
  • Istarska bjelica – eine der charakteristischsten Sorten Istriens. Sie verträgt Kälte und Bura gut und ergibt kräftige, deutlich bittere und pikante Öle.
  • Buža – die am weitesten verbreitete einheimische Sorte Istriens. Je nach Reifegrad der Früchte kann ihr Öl kräftig und pikant oder deutlich milder und fruchtiger ausfallen.
  • Rošinjola – vor allem rund um Vrsar, Rovinj und Vodnjan verbreitet. Ihr Öl ist aromatisch, pikant und meist nur mäßig bitter.

Dazu kommen eingeführte italienische Sorten wie Leccino und Pendolino, die seit Langem auch in kroatischen Olivenhainen wachsen. Sortenreine Öle, auf Kroatisch sortno ulje, zeigen besonders schön, wie unterschiedlich Oliven schmecken können. Wie ein Öl ausfällt, hängt neben der Sorte auch vom Erntezeitpunkt und der Verarbeitung ab. Cuvées wie das Öl von Uroda wiederum zeigen, was passiert, wenn mehrere Sorten miteinander kombiniert werden.

Die Olivenöl-Regionen in Kroatien

  • Istrien ist international besonders bekannt für sein Olivenöl. Im Olivenöl-Führer Flos Olei 2027 wurde die Region bereits zum zehnten Mal als beste Olivenanbauregion der Welt ausgezeichnet. 63 istrische Produzenten sind in dieser Ausgabe vertreten.
  • Kvarner-Inseln: Auf Cres und Krk wird seit Jahrhunderten Olivenöl produziert. Für Olivenöle von Cres und Krk gibt es jeweils eine geschützte Ursprungsbezeichnung.
  • Norddalmatien: Rund um Pirovac, Murter, Tisno und Zadar gibt es viele kleine Familienbetriebe, die außerhalb Kroatiens kaum bekannt sind, deren Öle aber international ausgezeichnet werden.
  • Insel Pag, Lun: Ganz im Norden der Insel wachsen rund 80.000 Olivenbäume. Viele wurden auf wilde Oliven aufgepfropft. Zwischen ihnen stehen besonders alte Exemplare, deren Alter zum Teil auf mehr als 1.000 Jahre geschätzt wird. Ein Teil der Haine steht seit 1963 als botanisches Reservat unter Schutz.
  • Mittel- und Süddalmatien: Šolta, Brač und Korčula gehören zu den traditionellen Olivenöl-Inseln. Auch für Olivenöle von Šolta und Korčula gibt es geschützte Ursprungsbezeichnungen.

Auf der Insel Veliki Brijun vor Istrien steht außerdem ein alter Olivenbaum, dessen Alter der Nationalpark mit rund 1.600 Jahren angibt. Er trägt noch heute Früchte.

Vom Netz zur Uljara: wie Olivenöl in Kroatien entsteht

Geerntet wird in Kroatien meist von Oktober bis in den November hinein. In vielen Familienbetrieben geschieht das noch von Hand oder mit kleinen Erntehilfen: Netze unter den Baum, Oliven von den Zweigen lösen, in Kisten sammeln.

Dann zählt jede Stunde. Je schneller die Oliven verarbeitet werden, desto besser für die Qualität. Viele gute Produzenten bringen ihre Ernte noch am selben Tag oder spätestens innerhalb von 24 Stunden in die Ölmühle, die uljara. Dort werden die Oliven gewaschen und zerkleinert. Anschließend wird die entstandene Paste langsam gerührt, bevor in der Zentrifuge Öl, Wasser und feste Bestandteile voneinander getrennt werden. Die alten Steinmühlen sieht man heute eher noch als Zeugnisse früherer Herstellung.

Auf Flaschen liest man häufig Begriffe wie „erste Kaltpressung“ oder „kalt extrahiert“. Die Angaben bezeichnen unterschiedliche Verfahren: „Erste Kaltpressung“ ist bei nativem Olivenöl und nativem Olivenöl extra nur zulässig, wenn das Öl durch die erste mechanische Pressung mit hydraulischen Pressen bei unter 27 °C gewonnen wurde. Moderne Anlagen arbeiten meist mit Zentrifugen. Für die Angabe „kalt extrahiert“ muss die Ölgewinnung ebenfalls bei unter 27 °C erfolgen.

In vielen dalmatinischen Familien gehört der Gang zur Uljara zum Herbst wie die Weinlese. Man bringt die eigenen Oliven, wartet oft stundenlang und fährt mit dem eigenen Öl nach Hause. Das mlado ulje, das junge Öl der neuen Ernte, schmeckt oft besonders kräftig und kann vor der Filtration noch trüb sein. Bitterkeit und Schärfe können jetzt ausgeprägter sein als später im Jahr.

Wer im November in Dalmatien ist, sollte es probieren – am besten auf einer Scheibe frischem Brot mit etwas Salz.

Woran man gutes kroatisches Olivenöl erkennt

Die wichtigste Regel zuerst: Die Farbe sagt nichts über die Qualität. Bei professionellen Verkostungen wird Olivenöl deshalb aus dunkelblauen Gläsern probiert, damit sich niemand von der Farbe beeinflussen lässt.

Worauf man beim Kauf achten sollte:

  • „Natives Olivenöl extra“ / „ekstra djevičansko maslinovo ulje“ – die höchste Güteklasse und die erste Wahl, wenn das Öl pur, für Salate oder zum Verfeinern verwendet werden soll.
  • Erntejahr – gute Produzenten geben es häufig an. Das Mindesthaltbarkeitsdatum allein verrät nicht, wann die Oliven geerntet wurden.
  • Säuregehalt – Bei nativem Olivenöl extra darf der Gehalt an freien Fettsäuren höchstens 0,8 Prozent betragen. Ein niedriger Wert allein garantiert allerdings noch kein gutes Öl. Auch weitere Laborwerte und die sensorische Beurteilung sind entscheidend. Schmecken kann man diese „Säure“ nicht, sie wird im Labor bestimmt.
  • Herkunft – je genauer sie angegeben ist, desto besser lässt sich nachvollziehen, woher das Öl tatsächlich kommt. Eine Angabe wie „Mischung von Olivenölen aus der EU“ ist jedenfalls nicht das, wonach man sucht, wenn man gezielt kroatisches Olivenöl kaufen möchte.
  • Verpackung – dunkles Glas oder ein geeigneter Kanister schützt das Öl vor Licht. Auch Wärme und Sauerstoff setzen Olivenöl mit der Zeit zu.
  • Gefiltert oder ungefiltert – trübes Öl ist nicht automatisch besser. Ungefiltertes Öl enthält noch feine Frucht- und Wasserbestandteile und sollte möglichst frisch verbraucht werden. Gefiltertes Öl ist in der Regel länger stabil.
  • Produzent – ein namentlich genannter Erzeuger oder ein OPG, also ein landwirtschaftlicher Familienbetrieb, macht die Herkunft nachvollziehbarer. Geschützte Ursprungsbezeichnungen können eine zusätzliche Orientierung geben.
  • Polyphenole – diese natürlichen Pflanzenstoffe tragen unter anderem zur Bitterkeit und Schärfe des Öls bei. Manche Produzenten lassen ihren Gehalt analysieren und geben ihn an. Für die zugelassene EU-Angabe zum Schutz der Blutfette vor oxidativem Stress reicht jedoch nicht irgendein hoher Gesamtwert: Das Öl muss mindestens 5 Milligramm Hydroxytyrosol und seine Derivate pro 20 Gramm enthalten. Ein hoher Polyphenolgehalt allein garantiert außerdem weder einen guten Geschmack noch ein fehlerfreies Öl.

Ein ehrlicher Hinweis: Am Straßenrand und auf Märkten wird Öl oft in alten Wasser- oder Schnapsflaschen verkauft, als domaće, also hausgemacht. Das kann ein großartiges Familienöl sein. Es kann aber ebenso ein Öl sein, über dessen Alter und Lagerung man wenig weiß.

Am besten lässt man sich das Erntejahr auf dem Etikett zeigen oder als Zahl aufschreiben. Entscheidend ist die letzte Ernte: Im Frühjahr stammt das frischeste verfügbare Öl normalerweise aus dem Herbst des Vorjahres. Bleiben Erntezeitpunkt und Lagerung unklar, lässt sich die Frische kaum beurteilen.

So probiert man Olivenöl richtig

Etwas Öl in ein kleines Glas geben, mit der Hand abdecken und kurz anwärmen. Dann riechen: Ein gutes Öl kann nach frisch geschnittenem Gras, grünen Tomaten, grünen Mandeln oder Artischocke duften. Danach einen kleinen Schluck nehmen und etwas Luft durch die Zähne ziehen.

Die drei positiven Merkmale sind fruchtig, bitter und scharf. Riecht oder schmeckt ein Öl dagegen ranzig, muffig, essigstichig oder gärig, ist das ein Hinweis auf einen sensorischen Fehler, unabhängig davon, was auf dem Etikett steht.

Wer gutes Olivenöl nicht nur kaufen, sondern wirklich verstehen möchte, sollte es einmal direkt beim Produzenten probieren. In Nordistrien gibt es eine Verkostung, bei der extra natives Olivenöl zusammen mit frisch gebackenem Brot und regionalen Spezialitäten verkostet wird. Dabei erfährt man auch mehr über die Herstellung und die Aromen des Öls.

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Olivenöl richtig lagern

  • Dunkel, möglichst kühl und gut verschlossen lagern.
  • Nicht neben den Herd stellen, auch wenn es dort am praktischsten ist.
  • Nach dem Öffnen möglichst zügig verbrauchen. Wer nur wenig Olivenöl verwendet, kauft besser kleinere Flaschen.
  • Frisches Olivenöl schmeckt am aromatischsten. Mit der Zeit verliert es an Duft, Schärfe und Fruchtigkeit.
  • Im Kühlschrank kann Olivenöl trüb werden und ausflocken. Das ist harmlos und verschwindet bei Zimmertemperatur wieder. In den Kühlschrank muss es deshalb aber nicht.

Und noch ein Mythos zum Schluss: Mit nativem Olivenöl extra darf man braten. Es eignet sich für die üblichen Temperaturen beim Braten. Wie bei anderen Ölen sollte es dabei nicht so stark erhitzt werden, dass es raucht.

Ein besonders aromatisches, preisgekröntes Öl kommt aber pur am schönsten zur Geltung: auf Brot, über Fisch oder über Blitva, das dalmatinische Mangold-Kartoffel-Gericht.

Wo gutes Olivenöl zu Hause ist

Kroatisches Olivenöl ist längst kein Geheimtipp mehr, zumindest nicht in Istrien. Die spannenderen Entdeckungen liegen oft dort, wo man sie weniger erwartet: in einem Familienhain hinter Pirovac, zwischen uralten Olivenbäumen auf Pag oder in einer Uljara im November, in der Familien auf ihr eigenes Öl warten.

Und wer bei der nächsten Verkostung husten muss, sollte sich nicht entschuldigen. Sondern nach dem Preis fragen.

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Bildquelle: 4lb / pixabay

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