Die Insel Pag: Orte, Strände und was die Landschaft so besonders macht

Kurz nach Sonnenaufgang liegt die Pager Brücke ganz still da.
Der Wind streicht vom Velebit über den Kanal, unten zieht hellblaues Wasser zwischen Festland und Insel hindurch. Hinter der Brücke beginnt eine Landschaft aus Stein, Salz, niedrigen Mauern und kahlen Hügeln. Wer zum ersten Mal nach Pag fährt, erwartet oft mehr Grün. Stattdessen wirkt vieles rau, offen und fast unwirklich.

Viele verbinden die Insel Pag vor allem mit Novalja, Sommerpartys oder langen Stränden. Tatsächlich prägen ganz unterschiedliche Landschaften und Orte das Bild der Insel. Salzfelder treffen auf karge Hügellandschaften, kleine Altstädte auf weitläufige Badebuchten. Genau dieser Kontrast macht Pag zu einer der ungewöhnlichsten Inseln Kroatiens.

Warum die Landschaft auf Pag so karg wirkt

Besonders auf der dem Velebit zugewandten Seite wirkt Pag stellenweise fast vegetationslos. Der Grund dafür ist vor allem die Bura, ein kalter, trockener Fallwind, der vom Gebirge Richtung Meer zieht und die Landschaft über lange Zeit geformt hat. Zusammen mit Salz, Sonne und den anspruchsvollen Bedingungen für größere Pflanzen entsteht die helle, steinige Landschaft, für die Pag bekannt ist.

Gerade dieses Erscheinungsbild sorgt oft für Vergleiche mit einer Mondlandschaft. Tatsächlich gehört die karge Seite von Pag zu den markantesten Landschaftsbildern der kroatischen Adria. Gleichzeitig zeigt die Insel, dass selbst unter diesen Bedingungen Olivenhaine, Weideflächen und geschützte Buchten ihren Platz finden.

Bekannte Orte auf Pag

Die Stadt Pag liegt im mittleren Teil der Insel und gehört zu den bekanntesten Orten. Enge Gassen, helle Steinhäuser und die lange Uferpromenade prägen dort das Bild. Bekannt ist die Stadt unter anderem für ihre Salztradition und die Pager Spitze, eine feine Handarbeit, die seit Jahrhunderten mit der Insel verbunden ist. Im Sommer spielt sich vieles entlang der Cafés, Boote und Plätze am Wasser ab. Lebendig, aber deutlich ruhiger als in den bekanntesten Ferienorten der Insel.

Im Norden liegt Novalja, heute einer der wichtigsten touristischen Orte auf Pag. Viele Besucher nutzen den Ort als Ausgangspunkt für Strände, Bootsausflüge und Fahrten über die Insel. International bekannt wurde Novalja vor allem durch den nahe gelegenen Zrće Beach und die dort stattfindenden Musikfestivals. Gleichzeitig ist der Ort weit mehr als nur ein Partyziel und bildet einen wichtigen Ausgangspunkt für viele Aktivitäten auf der Insel.

Ganz im Norden der Insel liegt Lun, einer der ruhigsten Teile von Pag. Die Gegend ist vor allem für ihre jahrhundertealten Olivenbäume bekannt, von denen einige zu den ältesten der Adria zählen. Zwischen den knorrigen Bäumen wirkt die Landschaft deutlich grüner als in vielen anderen Teilen der Insel.

Rund um Metajna liegt außerdem einer der bekanntesten Wanderwege der Insel: der Life on Mars Trail. Der Name entstand wegen der ungewöhnlich kargen Landschaft, die viele Besucher an eine Mond- oder Marslandschaft erinnert. Zwischen hellem Stein, offenen Küstenabschnitten und türkisblauem Wasser führen mehrere markierte Wege durch diesen Teil der Insel.

Offiziell ausgeschildert wurden die Life-on-Mars-Routen erst 2019. Heute gehören sie zu den bekanntesten Outdoor-Angeboten auf Pag. Je nach Strecke führen die Wege entlang abgelegener Buchten, durch die felsige Küstenlandschaft und zu Aussichtspunkten über das Meer. Für viele Besucher gehört der Bereich rund um Metajna zu den eindrucksvollsten Landschaften der Insel.

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Salz und Pager Spitze: Traditionen der Insel

Salz gehört auf Pag seit Jahrhunderten zum Alltag. Rund um die Stadt Pag liegen große Salinen, die das Bild der Gegend bis heute bestimmen. Das trockene Klima, viele Sonnenstunden und der Wind schaffen dort günstige Bedingungen für die Salzgewinnung. Wer auf der Insel unterwegs ist, kann die Salinen besuchen und im angeschlossenen Laden verschiedene Salzsorten entdecken, einige davon können auch probiert werden.

Weniger bekannt außerhalb Kroatiens ist die Pager Spitze, eine traditionelle Handarbeit mit feinen, komplexen Mustern, die auf der Insel über Generationen weitergegeben wurde. Die sogenannte Paška čipka gehört heute zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe. Auf Pag tauchen die traditionellen Muster an vielen Stellen der Altstadt immer wieder auf. In kleinen Geschäften, an Fenstern oder als Teil traditioneller Kleidung. Manchmal finden sie sich sogar auf den Tischen kleiner Cafés wieder, wo die Spitze als Druck oder grafisches Element weiterlebt. In der Stadt erinnert außerdem eine kleine Statue einer häkelnden Frau daran, wie präsent diese Tradition auf der Insel bis heute geblieben ist.

Strände auf Pag: Zwischen Stein, Wind und glasklarem Wasser

Karge Küstenlandschaft auf der Insel Pag in Kroatien mit hellem Stein und türkisblauem Wasser

An vielen Stränden auf Pag fehlen die typischen Pinienwälder, die andernorts entlang der Küste Schatten spenden. Stattdessen liegen zwischen Straße und Meer oft nur Stein, Kies und niedrige Vegetation. Gerade im Hochsommer merkt man schnell, wie wichtig Schatten, Wasser und guter Sonnenschutz dort werden.

Zu den bekanntesten Stränden der Insel zählt Ručica bei Metajna. Ungewöhnlich ist dabei weniger die Bucht selbst als die Umgebung. Oberhalb des Wassers ziehen sich helle Felsflächen über die Hänge, dazwischen wachsen nur wenige Pflanzen. Genau diese Landschaft gab auch dem Life on Mars Trail seinen Namen, der durch diesen Abschnitt der Insel verläuft.

Daneben gibt es auf Pag zahlreiche kleinere Buchten ohne Strandbars, Liegenreihen oder größere Infrastruktur. Häufig genügt bereits eine kurze Abzweigung von der Hauptstraße, um einen Badeplatz zu finden, an dem außer einigen Booten und wenigen Handtüchern nicht viel los ist.

Rund um Novalja finden sich dagegen einige der bekanntesten Badeorte der Insel. Dort konzentriert sich ein großer Teil des touristischen Angebots mit Cafés, Beachbars und gut erschlossenen Stränden.

Paški sir: Warum der Pager Käse so bekannt ist

Neben Salz gehört vor allem der Paški sir zu den bekanntesten Produkten der Insel. Der kräftige Schafskäse wird auf Pag traditionell aus der Milch von Schafen hergestellt, die zwischen salzhaltiger Luft, Kräutern und trockener Vegetation grasen. Viele Pflanzen wachsen auf der Insel niedrig und dicht am Boden, angepasst an Wind, Salz, Trockenheit und die kargen Bedingungen. An den Kräutern bleibt feines Salz aus der Luft hängen, das von den Schafen mitgefressen wird. Diese Bedingungen gelten als einer der Gründe für den charakteristischen Geschmack des Paški sir.

Auf Pag leben mehrere zehntausend Schafe, deutlich mehr als Einwohner. Vor allem in den trockenen, offenen Teilen der Insel spielt die Schafzucht bis heute eine wichtige Rolle.

Ein Teil von Pag steht nicht im Reiseführer

Entlang der Straßen über die Insel lohnt es sich außerdem, nicht einfach durchzufahren. Am Straßenrand und in kleinen Orten findet man immer wieder Konobas, die von außen oft unscheinbar wirken. Serviert werden dort häufig genau die Produkte, für die Pag bekannt ist: Paški sir, Lamm, Olivenöl oder einfache Gerichte aus lokalen Zutaten, wie sie vielerorts seit Generationen auf den Tisch kommen. Manchmal steht sogar zum Abschluss ein kleiner Korb mit reifen Feigen oder Trauben aus dem eigenen Garten auf dem Tisch.

Statt schneller Stopps oder großer Restaurantkonzepte geht es dort meist ruhiger zu, mit langen Mittagessen im Schatten, dem Geruch von Kräutern und dem Blick auf die steinige Landschaft der Insel. Oft sind es genau diese kleinen Stopps, die einer Reise nach Pag ihren eigenen Charakter geben.

Was von Pag bleibt

Während man irgendwann wieder über die Pager Brücke fährt und darüber nachdenkt, was die Faszination dieser Insel ausmacht, bleibt oft ein Eindruck zurück: Entweder man liebt Pag sofort, oder man kann mit der Insel überhaupt nichts anfangen.

Aber selbst als die Insel längst im Rückspiegel verschwunden ist, bleiben Stein, Salz und Wind erstaunlich präsent und die Insel noch lange im Kopf.

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Bildquelle: Envato Elements