Kava in Kroatien – Warum Kaffee hier mehr ist als nur ein Getränk

Ein Nachmittag in Zadar

Die Tische stehen dicht an dicht, die Sonne hängt noch zwischen den Häusern der Altstadt. Leise hört man die Meeresorgel. Die Hitze des Tages ist noch spürbar.

Die Tische sind gut belegt. Vor vielen stehen kleine Tassen, daneben Gläser mit Wasser. Man sieht den Kellnern den langen, heißen Tag an – schnelle Wege, kurze Blicke, routinierte Handgriffe.

An den Tischen läuft es anders.

Menschen sitzen zusammen. Es wird gesprochen, gestikuliert, zwischendurch lacht jemand. Einer setzt neu an, ein anderer knüpft daran an – Gespräche greifen ineinander.

Es wirkt nicht so, als hätte hier jemand geplant, lange zu bleiben.
Aber genau das passiert.

Die Zeit hat hier eine andere Rolle.
Sie tritt in den Hintergrund.

Kava ist nicht nur Kaffee – sondern ein soziales Ritual

Man braucht eine Weile, um zu verstehen, was da eigentlich passiert.

Zuerst wirkt es wie ein schönes Café, gute Stimmung, vielleicht ein besonders entspannter Ort.
Aber das erklärt es nicht.

Denn das, was hier passiert und was Kava in Kroatien ausmacht, wiederholt sich überall. Zu jeder Tageszeit. Mit unterschiedlichen Menschen.

Man setzt sich und aus „nur kurz“ wird zuverlässig mehr.
Es gibt kein „mal eben“.

Denn „Ajmo na kavu“ – lass uns einen Kaffee trinken gehen – bedeutet nicht: Wir trinken schnell einen Kaffee.
Es bedeutet: Wir nehmen uns Zeit füreinander.

Das ist kein Nebeneffekt. Das ist der eigentliche Zweck.

Ein Teil davon ist genau dieses selbstverständliche Zusammensitzen. Etwas, das sich durch den Alltag zieht und sich auch in den Beobachtungen zur kroatischen Mentalität im Alltag wiederfindet.

Warum Kava in Kroatien kein To-go ist

Kava nimmt man in Kroatien nicht mit.

Hier sieht man wenig Pappbecher, kaum Menschen, die mit Kaffee durch die Straßen laufen. Niemand balanciert seinen Espresso zwischen zwei Terminen.

Der Kaffee gehört an den Tisch.
Mit Tasse. Mit Unterteller. Mit einem Glas Wasser daneben.

Und vor allem: mit Zeit und miteinander.

Von der Džezva bis zum Espresso – die Geschichte der Kava

Was heute so selbstverständlich gelebt wird, hat eine lange Geschichte.

Der Kaffee kam über das Osmanische Reich in den südosteuropäischen Raum – auch nach Kroatien. Vor allem Slawonien sowie Teile Dalmatiens und das Hinterland standen zeitweise unter osmanischem Einfluss. Mit ihm kam auch diese Art, Kaffee zu trinken: traditionell in einer kleinen Kanne, der Džezva, zubereitet: stark und ungefiltert.

Diese Art Kaffee wird bis heute serviert. Man erkennt ihn sofort, an den kleinen Tassen, am Satz auf dem Boden und an der Selbstverständlichkeit, mit der nachgeschenkt wird, ohne dass jemand auf die Uhr schaut.

Später kamen Einflüsse aus Mitteleuropa und Italien dazu. Mit ihnen Caféhäuser, Espressomaschinen und neue Zubereitungsarten.

Das Getränk hat sich verändert.
Die Gewohnheit dahinter nicht.

Ob aus der Džezva oder aus der Maschine – am Ende läuft es auf denselben Moment hinaus:
Man bestellt noch einen und genießt.

Zurück nach Zadar

Der Nachmittag ist weitergezogen. Das Licht ist weicher geworden, die Hitze lässt langsam nach.

Jemand kommt vorbei, sieht seine Leute am Tisch sitzen und bleibt kurz stehen.
Er sagt noch, dass er eigentlich keine Zeit hat und setzt sich trotzdem dazu.
Wenig später steht eine Kava vor ihm.

Als hätte es nie anders sein sollen.

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Bildquelle: Envato Elements