Fjaka: Mehr als Nichtstun

Fjaka ist ein kroatischer Ausdruck aus Dalmatien, dessen Bedeutung sich nur schwer übersetzen lässt. Sie gehört zu den Dingen, die sich einer klaren und eindeutigen Erklärung entziehen. Wirklich verstehen lässt sie sich erst, wenn man sie selbst erlebt.

Fjaka – schwer zu erklären, leicht zu leben

Kein Mittagsschlaf, kein Faulenzen. Fjaka.

Zwischen Sonne, Seele und „mach ich später“ entsteht ein Zustand, den man sich weder vornimmt noch wirklich erklären kann.

Man erkennt ihn nicht an dem, was passiert, sondern eher daran, was ausbleibt. Es gibt keinen Punkt, an dem man sagt: Jetzt reicht’s, und keinen Moment, der einen zwingt, weiterzugehen.

Man bleibt im Moment, ohne darüber nachzudenken – nicht unbedingt länger als geplant, sondern einfach so lange, wie es sich richtig anfühlt.

Und genau darin liegt der Unterschied.

Fjaka hat nichts mit Faulheit zu tun und auch nichts mit dem oft zitierten „Dolce Vita“, bei dem es um Genuss, gutes Essen, Wein und das bewusste Erleben geht. Das wäre zu einfach gedacht.

Fjaka entsteht nicht, weil man sich entscheidet, langsamer zu sein, und auch nicht, weil es nichts zu tun gäbe. Sie ist da, obwohl es weitergehen könnte.

Man weiß, dass der Tag nicht stehen bleibt und dass Dinge warten, dass man aufstehen, gehen oder etwas erledigen könnte – aber es hat gerade kein Gewicht und keine Bedeutung.

Nicht im Sinne von Gleichgültigkeit, sondern eher so, dass es einen im Moment nicht betrifft.

Die Zeit vergeht, aber sie verliert ihren Druck. Und mit ihr verschiebt sich auch der Blick.

Man schaut nicht mehr darauf, was als Nächstes kommt, sondern bleibt bei dem, was gerade ist – und genau darin liegt auch ein leiser Genuss, ohne dass man ihn bewusst sucht.

Am ehesten zeigt es sich in einer Szene, wie man sie in Dalmatien oft sieht:
ein alter Mann im Schatten, auf einer selbstgebauten Bank unter einem Mandelbaum, ein Glas vor sich, etwas zu knabbern – und nichts, was ihn von dort wegbringt.

Fjaka ist kein Stil, kein Lebenskonzept und ganz sicher keine Ausrede.

Sie lässt sich nicht planen und nicht herstellen, und genau deshalb wird sie so oft falsch verstanden – weil sie von außen aussieht wie Stillstand, tatsächlich aber eher ein Zustand ist, in dem nichts drängt und alles an seinem Platz ist.

Und vielleicht ist das der einzige Punkt, an dem man ihr näher kommt: nicht über Definitionen und nicht über Erklärungen, sondern über die Momente, in denen man nichts von sich selbst erwartet.

Fjaka. Schwer zu übersetzen, leicht zu leben.

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Bildquelle: Envato Elements